ADHS, Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom: Ursache, Symptome, Diagnose und Therapie bei ADHS

ADHS, ADS, Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom

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ADHS, ADS, Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom

Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung bezeichnet man auch als Hyperkinetische Störung (HKS).

Was ist das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom? - Was ist ADHS?

Die psychische Störung beginnt bereits im Kindesalter und beeinträchtigt die Bereiche der Aufmerksamkeit und eine Reizüberflutung im Gehirn und der Impulsivität und bringt eine ausgeprägte innere Unruhe, Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit (Hyperaktivität).

Man hat herausgefunden, dass ADHS bei Kindern mit 5,9 bis zu 7,1 % auftreten kann. Sie ist die bereits am häufigsten auftretende psychiatrische Erkrankung bei den Kindern und Jugendlichen. Bei 40 bis 80 % diagnostizierter Kinder besteht auch in der Adoleszenz die Störung fort und bei mindestens in einem Drittel noch im Erwachsenenalter. ADHS-Symptome bestehen. Unter den Erwachsenen hat man die Aufmerksamkeitsstörung am häufigsten ohne die ausgeprägte Hyperaktivität. Die Hyperaktivität muss nicht unbedingt als Symptom vorhanden sein. Nach heutigem Stand hat die Störung viele Faktoren mit einer erblichen Disposition, die die Krankheitsausbildung fördert. Sowohl neurologische Faktoren kommen in Frage als auch psychologisch-soziale Ursachen. Viele psychosoziale Faktoren spielen beim Verlauf und der individuellen Ausprägung eine Rolle neben Umweltbedingungen wie die Qualität des Schulunterrichts. Leider gibt es bisher trotz der vielen möglichen Ursachen vollständiges Modell, das die Entstehung von ADHS komplett umfasst. Da Versagen in der Schule oder im Beruf häufig auftreten, stehen die Patienten und die Angehörigen unter meist erheblichem Druck.

Ursachen für ADHS

Früher hat man meist Erziehungsfehler und Elternproblematik oder Vernachlässigung sowie frühkindliche Traumata alleinige Ursachen von ADHS herangezogen und diese Störungen generell als ein soziales und ein pädagogisches Problem gesehen. Die letzten Forschungen gehen noch mehr in die Richtung einer überwiegend (zu 60 bis 80 %) genetisch bedingten Ursache der Störung. Man ist sich auch einig, dass es mehrere genetische Auffälligkeiten sein müssen, da einzelne Gene das Erscheinungsbild des Organismus nur wenig verändern. Bei Adoptionsstudien geht man sogar von 50 bis 98 % auf die Symptome aus bei Mitwirkung von 14 bis 15 relevanten Genen für die Ursache von ADHS aus.

Infektionen und verschiedene Schadstoffe wie Blei oder Erkrankungen und Verletzungen des zentralen Nervensystems sind Risikofaktoren auch während der Schwangerschaft. Bestimmte neuronale Regelkreise sind besonders für das Zusammenwirken von Motivation und Kognition sowie Emotion und Bewegungsverhalten relevant. Das Frontalhirn und ein Teil der Basalganglien spielen eine Rolle in diesem Zusammenhang. Mit einer Computertomographie kann man etwa bei fünf Prozent der Kinder die Schädigung der Großhirnrinde diagnostizieren, die während der Schwangerschaft erworben wurde aber auch entwicklungsbedingt sein kann. Die ADHS-Diagnose allein aus neurobiologischer oder neurophysiologischer geht heute noch nicht. Umwelteinflüsse wie zum Beispiel die europäische Schlafkrankheit weisen bereits Überschneidungen der Symptome mit ADHS auf, nur ohne erbliche Disposition entwickelt sich ADHS wohl nicht.

Typische Symptome und Anzeichen bei ADHS

ADHS hat drei Kernsymptome, die aber nicht unbedingt alle auf einmal vorkommen müssen und die auch verschieden ausgeprägt sein können. Das sind Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität sowie Impulsivität. Von einer Störung geht man aber erst aus, wenn bei den Symptomen ein Maß überschritten ist, wobei die Grenze zwischen der Krankheit und der Normalität fließend ist. Dazu kommt dass die Symptome auf ADHS hinweisen können, aber nicht müssen.

Bei der Unaufmerksamkeit ist ein Kind leicht abzulenken, es beginnt alles, bringt aber nichts bis zu Ende und hat Probleme, Anweisungen korrekt zu befolgen, mach auch viele Flüchtigkeitsfehler. Die Hausaufgaben werden nicht in angemessener Zeit erledigt und beim Organisieren von Aufgaben entstehen Probleme. Die Ausdauer bei Arbeit und Spiel sinkt und die Vergesslichkeit steigt.

Eine Hyperaktivität macht einen Zappelphilipp aus dem Kind, es ist zappelig und immer in Unruhe. Es sitzt nie still, redet viel und meist auffallend laut. Die Impulsivität macht das Verhalten des Kindes oft unvorhersehbar, es führt Entschlüsse aus, ohne zu überlegen, gibt unüberlegte Antworten vor dem Ende der Frage und mischt sich in Spiele anderer Kinder oder störend in Erwachsenengespräche ein. Es möchte belohnt zu werden viel beachtet. Ein charakteristisches Merkmahl ist das fehlende Bewusstsein für Gefahren bei sich und anderen und das grundsätzliche Problem, eigenes Verhalten zu steuern oder sich selbst unangemessen darzustellen.

Diagnose & Verlauf bei ADHS - Welchen Facharzt sollte man bei Verdacht auf ADHS konsultieren?

Bevor man eine Behandlung von ADHS beginnen kann, muss eine fundierte Diagnose vorliegen. Diese wird durch einen Kinder- oder Jugendpsychiater, einen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten oder einen Kinder- und Jugendarzt sowie im Erwachsenenalter durch einen Psychiater. ADHS wird zuerst sorgfältig von medizinischen Ursachen, zum Beispiel durch einen medikamentös verursachte Mangel der B-Vitamine abgegrenzt. Nach der Differenzierung von medizinisch-physiologischen Ursachen durch einen Arzt müssen die psychischen Bedingungen für eine ADHS Diagnose wie eine Störung beim Sozialverhalten und Angststörungen sowie eine Borderline-Persönlichkeitsstörung, die sowohl im Jugend- als auch im Erwachsenenalter auftreten kann, beachtet werden. Die Weltgesundheitsorganisation schreibt vor, dass die Symptome mindestens sechs Monate vorliegen müssen und in mindestens zwei Lebensbereichen, dabei erstmals bereits bevor dem siebten Lebensjahr aufgetreten sein müssen. Durch Überforderung normal begabter Kinder können ebenfalls vergleichbare Symptome auftauchen, die bei überdurchschnittlich Klassengrößen vorkommen können, Man kann das durch einen Nachteilsausgleich, eine Binnendifferenzierung oder einen jahrgangsübergreifenden Unterricht ausgleichen.

Die Differenzialdiagnostik zu medizinischen Ursachen

Eine spezifischer Mangel der Vitamine, die das Nervensystem braucht, kann zu Symptomen von ADHS führen. Bestimmte Medikamente wie die Antibabypille oder als Antibiotikum eingesetzten Präparate bei rheumatoider Arthritis, bei Bluthochdruckerkrankungen in der Schwangerschaft und bei Herzinsuffizienz habe möglicherweise Einfluss auf Vitamine. Besonders, wenn diese Medikamente länger verabreicht werden, bewirken sie B6-Mangelzustände und Fehlfunktionen im Aminosäure-Stoffwechsel und eine Störung des Folsäure-Spiegels im Blut sowie eine erhöhte nervale Erregbarkeit und Konzentrationsstörungen. Ein solcher Mangel, der aber auch aus Mangelernährung resultieren kann, steht auch im Beipackzettel der Arzneien. Er kann durch Pyridoxin therapiert werden.

Nachdem unerwünschter Arzneimittelwirkungen als Ursache ausgeschlossen sind, muss auch eine krankheitsbedingte Ursache wie ein erhöhter Vitaminverbrauch durch Stress, Rauchen oder Alkoholmissbrauch sowie durch Leistungssport geprüft werden, seltener aber unbemerkter ist ein Vitaminmangel durch Parasiten wie Bandwürmer Zum Schluss werden noch ernährungsbedingte Unterversorgung gecheckt.

Da Begleiterkrankungen bei den Störungen oft verbreitet sind, wird bei der Diagnose sorgfältig vorgegangen. Tiefgreifende Störungen, wie Autismus werden vorrangig diagnostiziert. Besonders schwierig ist es, die ADHS von den Störungen beim Sozialverhalten zu unterscheiden, welche sowohl eine ADHS begleiten als auch ohne ADHS auftreten.

Eine Hyperaktivität und eine Unaufmerksamkeit koennen anders als beim ADHS auch bei Angstzuständen sowie depressiven Störung auftreten. Angststörungen müssen vorrangig diagnostiziert werden. So auch die Diagnose bei einer schweren depressiven Störung. Ein einsetzendes, akutes hyperkinetisches Verhalten ist meist die Folge einer anderen Störung.

Psychodiagnostische Testverfahren für ADHS gibt es beispielsweise in Form von Fragebögen und Checklisten. Dabei stützt sich die Diagnose auf Informationen aus verschiedenen Quellen, da man das komplette Lebensumfeld abdecken will und eine neurologische Untersuchung sowie Verhaltensbeobachtung. Dazu kommt eine direkte Beobachtung des Kindes zusätzlich in der Schule und auch zu Hause.

Da Konzentrationsstörungen auch von verschiedene biologische und psychologische Ursachen kommen können und sich die Symptome Hyperaktivität und geringe Ausdauer sowie Konzentrationsschwierigkeiten mit denen eines Magnesiummangels überlappen, sollten die Ursachen sehr sorgfältig geprüft werden. Die testpsychologische Untersuchung mit wenigstens ein bis zwei Stunden kann eine gründliche Verhaltensbeobachtung gewährleisten. In Kliniken wird oft noch eine MRT angefertigt und in EEG wird durchgeführt, ob andere Erkrankungen vorliegen zum Beispiel ein Psychoorganisches Syndrom wie eine Epilepsie.

Messbare Symptome sind:

  • Die Einschränkung des Arbeitsgedächtnisses, Gedächtnislücken
  • Beeinträchtigung der Exekutivfunktionen und mangelnder Hemmungskontrolle bei Impulsivität
  • Aversion bei Aufschub von Belohnung
  • motorische Überaktivität
  • gestörte Verarbeitung bei der Zeit zur Erledigung von Aufgaben
  • Minimale Cerebrale Dysfunktion und mangelnde Anstrengung bei zielbezogenem Verhalten
  • schlechtes Zeitgefühl und Probleme beim Einschätzen von Zeitintervallen

Behandlung & Therapie von ADHS

Da sich die Behandlungsbedürftigkeit nach dem Schweregrad der Störung richtet, wird dieser zunächst festgestellt. Ein leicht betroffener Patient hat noch keine so behandlungsbedürftige Symptome. Er besitzt zwar eine höhere Kreativität, ist aber weniger impulsgehemmt und kann sich schlecht konzentrieren, bekommt aber die Details am Rande besser mit als andere. Eine frühzeitige Information über ADHS und eine psychosoziale Hilfestellung sind aber wichtig. So kann die Entwicklung der Betroffene in ihrer Entwicklung günstig beeinflusst werden und die negativen Symptome abgeschwächt.

Die mittelschwer Betroffenen sind bereits behandlungsbedürftig und haben neben ADHS meist schon unter Folgeerkrankungen zu leiden. Das Sozialverhalten ist allerdings noch nicht beeinträchtigt und keine soziale Auffälligkeiten zu bemerken. Sie ergreifen zum Beispiel einen Beruf, für den sie oft deutlich überqualifiziert sind. Ohne Behandlung werden ein Schulversagen und ein Versagen im Beruf sowie Suizidversuche oft wahrscheinlich.

Die schwer Betroffenen haben bereits ein gestörtes Sozialverhalten und auch stark erhöhtes Risiko für ein Suchtverhalten oder ein Abrutschen in die Kriminalität. Ohne Behandlung sind sie schwer sozialisierbar. Bei einer umfassenden Behandlung ist zu erreichen, dass schwerer Betroffene anschließend in eine schwächere Kategorie kommen.

Die Behandlung

Bei der Behandlung zielt man darauf. Das individuelle Potenzial des Betroffenen auszusloten und die sozialen Fähigkeiten wieder auszubauen sowie Begleitstörungen zu behandeln. Die Behandlung muss multimodal erfolgen, parallel mehrere Behandlungsschritte wie Psychotherapie und psychosoziale Interventionen und Coaching und Pharmakotherapiegehen Hand in Hand. Die Therapie kann oft ambulant erfolgen, nur in besonders schweren Fällen und ungünstigen psychosozialen Bedingungen kommt eine teilstationäre Therapie oder eine Heimunterbringung in Frage. Nach der ambulanten Therapie kann sie stationär oder teilstationär fortgeführt werden in einer Psychiatrie.

Ein neuer Behandlungsansatz

Ein neuer Behandlungsansatz kommt derzeit mittels Nährstofftherapie. Die tägliche Gabe von Omega-3-Fettsäure hat zum Beispiel die Symptome der Hyperaktivität bei Betroffenen Kontrollgruppe nach Wochen stark reduziert, wobei mittlere bis starke Behandlungseffekte sowie Verbesserungen in Lesen, Schreiben und Verhalten auftraten nach drei Monaten der Behandlung. In anderen Studien wurde Magnesium, Zink und Vitamin E als Lebensmittelergänzung und Nahrungsergänzungspräparate gereicht. Welche Lebensmittel sollte man bei ADHS meiden? Die Lebensmittel mit hoher glykämischer Last, die Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel haben, sind zu vermeiden. Ebenfalls wird empfohlen, möglichst proteinhaltige und kohlenhydratreiche Nahrung zu verzehren. Omega-3-Fettsäuren haben allerdings nicht bei allen Betroffenen geholfen.

Ab wann ADHS diagnistiziert werden?

Für die zweifelsfreie Feststellung der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung müssen die Verhaltensauffälligkeiten bereits vor dem sechsten Lebensjahr aufgetreten sein, mindestens sechs Monate andauern und sich auch von allein nicht bessern.

Kann ADHS auch bei Erwachsenen auftreten?

Fast immer redet man bei ADHS im Zusammenhang mit Kindern und den Jugendlichen. Manchen begleitet die Erkrankung allerdings bis ins Erwachsenenalter. Anderen Patienten wird sogar erst so spät die Diagnose gestellt. Etwa zwei von hundert Erwachsenen leiden unter ADHS.

Wie kann ich meinem Kind mit ADHS helfen?

Zusätzlich zur medizinischen und der psychologischen Hilfe gibt der ADHS Deutschland e. V. den betroffenen eine dauerhafte Unterstützung mit Selbsthilfegruppen, Beratung und Information sowie Vorträgen.

Rezeptfreie Medikamente gegen innere Unruhe

  • Lasea (PZN: 5489632)
  • NEUREXAN Tabletten (PZN: 4115272)
  • BACH ORIGINAL Rescue Tropfen alkoholfrei (PZN: 7253425)
  • NEUREXAN Tabletten (PZN: 4143009)
  • Lioran die Passionsblume (PZN: 1633500)
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  • CALMVALERA Hevert Tropfen (PZN: 6560421)
  • NEUREXAN Tabletten (PZN: 4115289)
  • Lasea (PZN: 5489626)
  • CALMVALERA Hevert Tabletten (PZN: 9263534)
  • Hoggar Balance (PZN: 500062)
  • Lioran die Passionsblume (PZN: 9723591)
  • Sedariston Konzentrat (PZN: 2787783)

Diese Arzneimittel stellen lediglich eine exemplarische Auflistung von rezeptfreien Medikamenten gegen das Symptom dar und geben keine Empfehlung. Konsultieren Sie bevor sie irgendwelche Medikamente nehmen, unbedingt Ihren Arzt oder Apotheker.

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