Bänderriss am Knie: Ursache, Symptome, Diagnose und Therapie bei Bänderriss am Knie

Bänderriss am Knie

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Bänderriss am Knie

Von Teilrupturen und vollständigen Rupturen können im Bereich des Kniegelenks vier Bänder betroffen sein, zu denen das vordere und hintere Kreuzband, sowie das Innen- und Außenband zählen.

Zu Rissen im Bandapparat kommt es durch eine erhöhte Belastung der Gewebsstruktur, die die Elastizitätsgrenze des einzelnen Bandes überschreitet. Überlastungen geringeren Umfanges führen zu zwar schmerzhaften, aber weniger problematischen Bänderdehnungen und Zerrungen, wohingegen erhebliche Überschreitungen der Belastungsgrenze zu folgenschweren Teilrissen oder im schlimmsten Fall knöchernen Abrissen führen.

Ursachen eines Bänderriss am Knie

Die Ursachen für Rupturen sind mannigfaltig, jedoch zur Veranschaulichung in die Bereiche „direkte und indirekte Traumata“ zu untergliedern. Das mit Abstand am häufigsten verletzte vordere Kreuzband, reißt vor allem durch indirekte Traumata, die ohne äußere Gewalteinwirkung zustande kommen. Die genaue Ursache liegt oftmals in abrupten Bewegungen des Betroffenen im Alltag, vor allem anderen jedoch im Sport. Häufig ist eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes Folge einer plötzlichen Richtungsänderung, im Zuge derer sich Oberkörper und Oberschenkel des Betroffenen bereits in die neue Richtung bewegen, der Fuß jedoch noch auf dem Boden fixiert ist. Dies führt zur Überschreitung der Elastizitätsgrenze des vorderen Kreuzbandes. Das Verletzungsmuster lässt sich vor allem in Spielsportarten, wie Fußball in gehäufter Anzahl feststellen, da der Fuß des Spielers durch die langen Stollen, am Boden gegen seitliche Drehbewegungen fixiert ist, was im Falle einer solchen schnellen Drehung zur Überbelastung des Kreuzbandes beziehungsweise der Kreuzbänder führen kann.

Auch das Skifahren ist für eine nicht unerhebliche Anzahl an Kreuzbandrissen verantwortlich. Lösen die Bindungen nicht rechtzeitig aus, so wirken die Ski wie Hebel auf das Kniegelenk. Die auftretenden Kräfte überschreiten folglich leicht die Elastizitätsgrenze der Kreuzbänder, was unweigerlich zur schmerzhaften Ruptur führt. Das hintere Kreuzband hingegen, ist meist im Zuge direkter Traumata, also auf Grund äußerer Gewalteinwirkung betroffen. Vor allem Verkehrsunfälle, Stürze aus größeren Höhen und Zusammenpralle zwischen Teilnehmern von Mannschaftssportarten, mit einem erhöhten Anteil an Körperkontakt, sind berüchtigt für diese Art von Verletzung. Kreuzbandrupturen treten meist nicht isoliert auf, sondern beinhalten oftmals Schädigungen des Innen- beziehungsweise Außenbandes sowie der Menisken. Das peripher gelegene Außenband reißt ebenso wie das Innenband, vorwiegend durch seitliche Gewalteinwirkung auf das Kniegelenk. Insbesondere körperlich wenig aktive Menschen, die folglich über eine defizitär ausgebildete Muskulatur verfügen, erleiden häufiger Bänderrisse im Bereich des Knies als trainierte Personen. Zudem sind Frauen genetisch bedingt, speziell für Kreuzbandrupturen, deutlich anfälliger als Männer.

Symptome eines  Bänderriss am Knie

Bänderrisse, gleich um welches es sich handelt, sind stets mit heftigen Schmerzen verbunden, die kurz nach dem Riss am betreffenden Ort auftreten. Überdies verhindert der langanhaltende Schmerz in den meisten Fällen die Fortführung der körperlichen Aktivität, was bereits ein erster Hinweis auf eine Verletzung des Bandapparates ist. In manchen Fällen ist das Reißen des Bandes deutlich an einem peitschenden Geräusch, unmittelbar vor dem Eintreten des Schmerzes zu vernehmen. Ein häufig anzutreffendes Symptom im Rahmen von Rupturen, ist der Gelenkerguss, der sich durch eine deutliche Schwellung des Kniegelenks bemerkbar macht. Diese Schwellung ruft durch die Ausdehnung der Gelenkkapsel einen charakteristischen Druckschmerz hervor. Im Zusammenhang mit dem Erguss steht die eingeschränkt Mobilität des Kniegelenks.

Die Bewegungsfreiheit ist vordergründig durch den Gelenkerguss eingeschränkt und wird weiterhin durch Belastungsschmerz ergänzt. Speziell im Falle von Kreuzbandrupturen ist die Streckung des Gelenks nicht mehr vollständig möglich. Neben Schmerzen und Einschränkungen im Bereich der Mobilität, sind vor allem Gelenksinstabilitäten charakteristisch für Bänderrisse. In welcher Form diese auftreten, hängt dabei stark davon ab, welches Band direkt betroffen ist. Bezeichnend für Kreuzbandrupturen ist das von zahlreichen Patienten beschriebene Gefühl, dass der Oberschenkel über den Unterschenkel zu rutschen scheint. Die Ruptur des Außen- beziehungsweise Innenbandes  hingegen, hat eine seitliche Instabilität zur Folge. Dies äußert sich in der Wahrnehmung, dass das Gelenk zur Seite hin zu viel Spiel hat. Isoliert auftretende Kreuzbandrisse kommen zwar recht selten vor, werden jedoch oftmals aufgrund ihrer verhältnismäßig geringen Beschwerden selten wahrgenommen.

Häufig treten in diesem Zusammenhang Schmerzen lediglich unter Belastung, im Zuge der Beugung des Gelenks, wie zum Beispiel beim Treppensteigen auf. Anzeichen wie diese sind dementsprechend in jedem Fall ernst zu nehmen, auch wenn kein klassisches direktes oder indirektes Trauma vorliegt.

Diagnose eines Bänderriss am Knie

Um eine präzise Diagnose stellen zu können, führt der behandelnde Mediziner zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten über seiner Beschwerden und den Hergang des Unfalls, der einer solchen Verletzung meist zugrunde liegt. Auch die Krankengeschichte des Patienten ist für den Arzt von großer Bedeutung, da frühere Gelenkverletzungen einen Bänderriss begünstigen können. Zudem ist es möglich, dass Teilrupturen im Zuge vergangener Behandlungen nicht erkannt und dementsprechend nicht behandelt wurden. Auf Basis dieser ersten Erkenntnisse beginnt der Behandelnde mit der eigentlichen körperlichen Untersuchung. Zunächst wird das Knie äußerlich untersucht, wobei vor allem der charakteristische druck-schmerzhafte Gelenkerguss ein erstes Anzeichen ist, dass es sich um eine Ruptur handelt.

Da dieses Symptom allerdings auch im Fall einer Bänderdehnung auftritt, existiert eine Reihe von orthopädischen Tests, mit denen eine präzisere Diagnose möglich ist. Neben dem Lachmann-Test, ist der Schubladen-Test, das wohl am häufigsten eingesetzte Diagnoseverfahren. Mit dem letztgenannten Verfahren überprüft der Mediziner den Spielraum des im 90° Winkel gebeugten Kniegelenks. Dabei begutachtet der Mediziner die Verschiebbarkeit des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkel nach vor und hinten, um so eine Ruptur des vorderen oder hinteren Kreuzbandes festzustellen. Ist der Unterschenkel gegenüber dem Oberschenkel mehr als 0,5cm verschiebbar, spricht dies für einen Kreuzbandriss. Da diese Spielräume von Mensch zu Mensch allerdings unterschiedlich ausfallen, führt der Arzt den Test ebenfalls am gesunden Gelenk des Patienten durch, um eine Fehldiagnose ausschließen zu können. Um Außen- und Innenbandrupturen festzustellen, findet ein ähnliches Verfahren Verwendung. Das betroffene Kniegelenk wird im Zuge dieser Untersuchung, sowohl in vollständig gesteckter Haltung, als auch in leicht gebeugter Position versucht, nach innen beziehungsweise außen zu „klappen“. Ist eines der Bänder gerissen, so lässt sich der Gelenkspalt ein wenig öffnen, was bei intakten Bändern unmöglich ist.

Ist auf Basis dieser orthopädischen Tests eine Ruptur wahrscheinlich, so folgen meist bildgebende Verfahren, um eine wasserdichte Diagnose stellen und eventuelle weitere Verletzungen der Gelenkstruktur erfassen zu können. Zum Einsatz kommen dabei vor allem das klassische Röntgenverfahren, sowie die Magnet-Resonanz-Tomografie und die Computertomografie. Ergänzend kann der behandelnde Mediziner im Rahmen einer Gelenkspunktion, mit einer Hohlnadel, Flüssigkeit aus dem Gelenkerguss entnehmen. Dies dient in erster Linie der Entlastung des Gelenks und in zweiter Linie der Feststellung eines Risses, denn durch die Analyse des Sekrets kann der Arzt erkennen, ob sich Blut darin findet, was einen Beweis für eine Ruptur darstellt.

Therapie und Behandlung eines Bänderriss am Knie

Die Behandlung einer Kreuzbandruptur ist vor allen Dingen von Alter und körperlicher Aktivität des Patienten abhängig. Falls dieser nur wenig körperlich aktiv ist oder sein Alter eine Operation nicht ratsam erscheinen lässt, so erfolgt die Behandlung konservativ. Sie umfasst dabei unter anderem Kälte- und Physiotherapie, bereits unmittelbar nach Eintreten der Verletzung. Zunächst steht die Entlastung des Gelenks durch Unterarmgehstützen, sowie dessen Stabilisierung mit Hilfe von orthopädischen Knieorthesen im Vordergrund. Anschließend folgt  ein gezielter Muskelaufbau der Streck- und Beugemuskulatur des Oberschenkels unter therapeutischer Aufsicht. Das Ziel der Behandlung ist die schnellstmögliche Wiederherstellung der Belastbarkeit und Stabilität des Knies, sodass der Patient seinen Alltag beschwerdefrei wiederaufnehmen kann.

Unterstützend kommen zur Schmerzbekämpfung zudem, nicht-steroidale Antirheumatika zum Einsatz, die direkt in das betroffene Gelenk injiziert werden. Ist der Patient allerdings körperlich sehr aktiv, wird eine operative Behandlung vorgezogen. Dies gilt insbesondere dann, wenn offensichtliche Instabilitäten vorhanden sind, da unter gegebenen Umständen, die volle Belastung des Gelenks zu Folgeschäden am Selbigen führen kann. Die Operation, in deren Folge das zerstörte Kreuzband mittels einer Kreuzbandplastik ersetzt wird, wird minimalinvasiv durchgeführt. Für die Plastik entnimmt der Chirurg meist einen Teil der Patella Sehne und verankert diesen, mit Hilfe verschiedener Techniken im Gelenk. Handelt es sich um eine schwerere Verletzung, mit Absplitterung von Knochenfragmenten, so werden diese zusätzlich mit Schrauben fixiert. Die Behandlung von Innen- und Außenbandrissen verläuft ähnlich und richtet sich ebenso, wie die einer Kreuzbandruptur nach der Schwere der Schädigung. Sind keinerlei knöcherne Verletzungen des Oberschenkel- oder Unterschenkelknochens vorhanden, wird in den meisten Fällen auf eine operative Behandlung verzichtet. Das betroffene Gelenk wird in diesem Fall für 6 Wochen mit einer Schiene gestützt und durch die Verwendung von Unterarmgehstützen entlastet.

Liegt eine komplexe Ruptur, mit knöchernen Verletzungen und einem hohen Maß an Instabilität vor, werden das Band sowie die Knochenfragmente operativ fixiert. Der Weg zur Wiederherstellung der vollständigen Belastbarkeit führt auch hier über gezielte Kräftigung der Muskulatur des Oberschenkels, die ebenfalls ihren Teil zu Vorbeugung weiterer Verletzungen des Gelenks beiträgt.

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