Bulimie: Ursache, Symptome, Diagnose und Therapie bei Bulimie

Bulimie

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Bulimie

Bei Bulimie, auch Bulimia nervosa oder Ess-Brech-Sucht genannt, handelt es sich um eine Essstörung. Bei dieser haben die Betroffenen ein unkontrolliertes Verlangen nach Essen und der anschließenden Durchführung von Maßnahmen, die das Gewicht reduzieren.

Diese Krankheit wird überwiegend bei jungen Frauen in einem Alter zwischen 18 und 25 Jahren diagnostiziert. Etwa 20 % der Frauen in diesem Alter sind schätzungsweise betroffen. Fast 98 % der Betroffenen sind weiblich.

Ursachen von Bulimie

Die Ursachen dieser Krankheit können wie bei anderen psychischen Erkrankungen auch, sehr komplex und vielfältig sein. Man kann somit nicht direkt von einer Ursache sprechen. Persönliche Erlebnisse, Erfahrungen und die Erziehung spielen eine genauso große Rolle wie die Veranlagung sowie die individuelle Persönlichkeit. Gerade jüngere Frauen sind durch die Medien besonders gefährdet. Ein unrealistisches Schönheitsideal kann die Entwicklung dieser Krankheit fördern. Des Weiteren können Ursachen innerhalb sozialer Konflikte, wie beispielsweise innerhalb der Familie, den Kollegen oder dem Freundeskreis, liegen. 

Außerdem ist diese Essstörung oftmals bei Menschen mit einem übertriebenen Perfektionismus zu beobachten. Hinter ihrer perfekten Fassade ist das Selbstwertgefühl nur relativ schwach ausgeprägt. Allerdings betrifft dies das komplette Leben der betroffenen Person und nicht nur das Aussehen und die Figur. Die Betroffenen versuchen in allem besser zu sein als die Anderen. In der Schule, der Ausbildung oder im Studium, als Freund oder Freundin, als Tochter oder Sohn, als Partner oder Partnerin. Des Weiteren ist zu beobachten, dass sich die Betroffenen sehr stark an der Meinung Anderer orientieren und somit ihre eigene Meinung und Bedürfnisse verdrängen. Wenn man die familiäre Situation von Menschen, die an Bulimie leiden, näher betrachtet, ist festzustellen, dass die Kontrolle zu behalten und die Vermeidung von Konflikten das Familienleben beherrscht. Durch die Kontrolle der eigenen Gefühle ist ein Überleben in dieser Situation nur möglich. Gewichtskontrolle und -reduktion täuschen eine derartige Kontrolle vor.

Symptome bei Bulimie

Menschen, die an Bulimie erkrankt sind, sieht man ihre Essstörung nicht unbedingt an. Sie sind weder besonders dünn, noch besonders dick. Ihr Gewicht liegt meistens im normalen Bereich. Allerdings können sie auch über- oder untergewichtig sein. Häufig leiden sie an extremen Gewichtsschwankungen. Jedoch versuchen sie ihren Schein zu wahren. Nach außen hin wirken sie sehr gepflegt und machen nicht den Eindruck, ein Problem zu haben und dringend Hilfe zu benötigen. Typisch für diese Krankheit ist, dass die Betroffenen beim Essen mit anderen Menschen sehr kontrolliert essen und möglichst Lightprodukte, fett- und kalorienarme Produkte bevorzugen. Häufig trennen die Betroffenen Lebensmittel in erlaubte und verbotene Lebensmittel. Im Beisein Anderer werden die erlaubten Lebensmittel verzehrt. 

Charakteristisch für die Krankheit Bulimie ist, dass die Betroffenen Essattacken mit anschließendem Erbrechen oder anderen gewichtsreduzierenden Maßnahmen durchführen. Sie beschäftigen sich übernatürlich viel mit ihrer Figur und ihrem Gewicht und haben eine krankhafte Angst vor einer Zunahme. In den meisten Fällen werden die Essattacken im Vorfeld geplant und heimlich durchgeführt. Dies muss nicht zwingend regelmäßig geschehen. Für diese Diagnose genügt es, wenn Essanfälle einmal in zwei bis 20 Tagen auftreten. Hierfür werden häufig große Mengen von billigen, leicht verzehrbaren Lebensmitteln gekauft. Diese gehören meistens der Kategorie der verbotenen Lebensmittel an. Diese Lebensmittel werden während der Essanfälle herunter geschlungen und die Betroffenen verlieren die Kontrolle. Oftmals werden Lebensmittel gehortet. Betroffene beschreiben dieses Verhalten so, dass sie Angst haben, dem Druck eines Essanfalls nicht standhalten zu können und dann keine Lebensmittel im Haus haben. Mit dem Horten der Lebensmittel vermeiden sie dieses Problem. Auf Grund der hohen Ausgaben für Lebensmittel sind die Betroffenen häufig verschuldet. 

Nach den Essanfällen plagt sie ein schlechtes Gewissen und es wird selbstindiziertes Erbrechen herbeigeführt, um das Gewicht zu reduzieren. Jedoch ist das Erbrechen nicht das einzige Kriterium für die Diagnose von Bulimie. Essanfälle in Kombination mit übermäßig viel Sport oder Medikamentenmissbrauch, in Form von Entwässerungstabletten oder Abführmittel, können ebenfalls mit Bulimie diagnostiziert werden. Essen und Erbrechen dienen u. A. um innere Spannung abzubauen. Des Weiteren können sie ein Ventil für lange verbotenen Genuss sein. Aus diesem Grund verschlingen die Betroffenen während der Essanfälle in der Regel verbotene, sehr fett- und kalorienhaltige Lebensmittel. 

Anzumerken ist ebenfalls, dass die Erkrankten keinen Erfolg aus ihrer Krankheit ziehen. Sie erleben die Essanfälle als permanente Niederlagen. Scham- und Schuldgefühle oder massive Selbstkritik sind in jedem Fall die Folge eines Essanfalls. U. A. aus diesem Grund finden diese heimlich statt. 

Neben dem Leidensdruck, der aus den Essanfällen resultiert, leiden die Betroffenen in den meisten Fällen unter depressiven Verstimmungen. Des Weiteren vernachlässigen sie oftmals ihre Interessen und isolieren sich.

Diagnose von Bulimie

Auf Grund dessen, dass das Gewicht der Betroffenen von Bulimie in der Regel im Normalbereich liegt, bleibt die Essstörung oftmals jahrelang unerkannt. Die Betroffenen tun alles, um ihre Essstörung weitgehend geheim zu halten. Dies gelingt ihnen in den meisten Fällen, denn oftmals wird die Krankheit bei ihren Kindern, Partnern oder Freunden nicht erkannt. Der Betroffene hingegen ist sich durchaus darüber im Klaren, dass er definitiv ein Problem hat. Im gelingt es allerdings nicht, aus dem Kreislauf von Hungern, Essanfällen und Gegenmaßnahmen, wie Erbrechen, auszubrechen, obwohl er jeden Tag dagegen ankämpft. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Betroffenen für ihre Krankheit schämen und nicht dazu stehen können oder wollen. 

Man kann bei Bulimie die Betroffenen in zwei Gruppen unterteilen. Die erste Gruppe der Patienten erbricht oder benutzt Abführmittel nach den Essanfällen, um ihr Körpergewicht zu reduzieren oder beizubehalten. Die zweite Gruppe der Patienten behält nach den Essanfällen die Nahrung bei sich. Sie erbrechen sich also nicht und benutzen auch keinerlei andere Hilfsmittel. Sie halten stattdessen eine strenge Diät oder fasten den ganzen Tag, um die Essanfälle auszugleichen. Eine weitere Möglichkeit, um den Grundumsatz zu erhöhen, bietet exzessiver Sport.

Therpie und Behandlung von Bulimie

Da die Betroffenen sich in einer Vielzahl der Fälle als abnormal empfindet und sich für ihr Essverhalten schämt, erfordert es viel Mut, sich zur Krankheit zu bekennen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Da es sich bei Bulimie um eine komplexe Krankheit handelt, bedarf diese einer speziellen Form der Therapie. Sie besteht aus einer Psychotherapie und anderen Maßnahmen. Die Therapie kann ambulant in der Praxis oder stationär in einer Klinik erfolgen. Hierfür ist die Schwere der Krankheit ausschlaggebend. Die Psychotherapie wird in Einzel- und Gruppentherapien erfolgen. Diese schließen Kreativtherapie, Kunsttherapie sowie Körperbildtherapie ein. Bei der Körperbildtherapie sollen die Betroffenen lernen, ein realistisches Körpergefühl zu bekommen und sich selbst realistisch wahrzunehmen. Wenn die Therapie stationär erfolgt, werden diese Formen der Therapie durch Essbegleitung und Lehrküche ergänzt. In der Lehrküche lernen die Betroffenen, gesunde Gerichte zuzubereiten. Bei der Essbegleitung essen die Betroffenen mit einer Ernährungsberaterin. Dort sollen die Betroffenen lernen, normale Portionen zu essen und wieder auf die Signale, wie Hunger- oder Sättigungsgefühl, zu achten. Außerdem lernen die Betroffenen während ihrer Therapie mit Situationen im Alltag, wie beispielsweise Stress, Angst und anderen Problemen zurechtzukommen. Eine Therapie alleine hilft den Betroffenen oftmals nicht. In vielen Fällen empfiehlt es sich, die Familienmitglieder mit einzubeziehen, um familiäre Konflikte aufzudecken und zu lösen. In der Soziotherapie lernt der Betroffene, Kontakte wieder aufleben zu lassen, sich an feste Essenszeiten zu halten und schließlich ihren normalen Alltag zu bewältigen. Ganz wichtig für den Erfolg der Therapie ist, dass der Patient aus eigenen Stücken handelt und tatsächlich eine Besserung seines Zustands anstrebt. Der Behandlungserfolg bleibt jedoch in den meisten Fällen aus, wenn der Patient nicht bereit ist, an sich und seinen Problemen zu arbeiten. 

Bulimie hat im Gegensatz zu Magersucht eine niedrigere Rückfallquote. Diese Krankheit verfügt über gute Heilungschancen. So ist die Therapie in 50 bis 70 % der Fälle erfolgreich.

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