Cholera: Ursache, Symptome, Diagnose und Therapie bei Cholera

Cholera

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Cholera

Der Begriff Cholera kommt aus dem Griechischen und bedeutet ins Deutsche übersetzt Gallenbrechdurchfall. Es handelt sich um eine Infektionskrankheit, die hauptsächlich den Dünndarm betrifft und sich durch starken Durchfall und Erbrechen bemerkbar macht.

Cholera: Ursache, Symptome, Diagnose und Therapie

Cholera tritt meist in dicht bevölkerten Gebieten auf, in denen die Versorgung mit Trinkwasser und die Entsorgung von Abwasser nicht ausreichend funktioniert. Die Cholera kommt vor allem in Afrika, Asien und Südamerika vor. In den Entwicklungsländern kann es wegen schlechten hygienischen Umständen, Mangelernährung und schlechter medizinischer Versorgung zu verheerenden Cholera-Epidemien kommen. Da Kinder in den Entwicklungsländern am häufigsten unterernährt sind, sind sie besonders häufig von Cholera betroffen. In Deutschland ist die Cholera nicht verbreitet, jedoch wird die Krankheit vereinzelt von Fernreisenden eingeschleppt. Hierzulande ist selbst der Verdacht auf eine Erkrankungen an Cholera meldepflichtig. Die Cholera zu den Quarantäne-Krankheiten gehört, wird sie in speziellen Abteilungen behandelt.

Ursachen von Cholera

Das Bakterium "Vibrio Cholerae" ist der Erreger der Cholera. Es wurde bereits 1854 von Filippo Pacini entdeckt. Die Entdeckung war ein großer Meilenstein im Kampf gegen die Krankheit. Bald darauf wurde festgestellt, dass der Erreger insbesondere über das Trinkwasser verbreitet wird. In der Folge wurden die Trinkwasserversorgung und die Abwasserentsorgung in Deutschland erheblich verbessert. Das Bakterium Vibrio Cholerae ist in der Form eines Kommas gekrümmt und sehr beweglich. Es wird meist durch von Fäkalien verunreinigtes Trinkwasser oder durch die Nahrung übertragen. Bei mangelnder (Hand-) Hygiene kann das Bakterium auch von Mensch zu Mensch übertragen werden, dies tritt jedoch eher selten ein. Um eine Infektion auszulösen, müssen sehr viele Cholera-Bakterien in den Magen-Darm-Trakt gelangen. Besonders im Dünndarm vermehren sie sich, heften sich an dessen Schleimhaut und produzieren dort das Gift "Choleratoxin".

Dieses führt im Dünndarm zu einer vermehrten Produktion von Chlorid-Ionen, was zu erheblichem Wasser- und Elektrolytverlust durch Durchfall und Erbrechen führt. Der fast flüssige, sehr helle bis weiße Durchfall bei Choleraerkrankungen wird auch als "Reiswasserstuhl" bezeichnet. Einen grundsätzlichen Schutz vor Cholera bieten ein intaktes Immunsystem und eine ausreichende Produktion von Magensäure, da diese zumindest einen Teil der Vibrio Cholerae abtötet. Einige Menschen stecken sich lediglich mit den Cholera-Bakterien an, ohne zu erkranken. Dies bezeichnet man als "stille Infektion". Diese Menschen tragen die Erreger dennoch in sich und können jederzeit andere Menschen anstecken.

Symptome bei Cholera

Typische Symptome von Cholera sind starker Durchfall und Erbrechen. Die Inkubationszeit von Cholera beträgt einige Stunden bis fünf Tage - so lange dauert es, bis das Vibrio Cholerae-Bakterium in den Dünndarm gelangt ist. Zu Beginn ist die Cholera leicht mit anderen Durchfallerkrankungen wie Reisedurchfall, Lebensmittelvergiftungen oder Salmonellen zu verwechseln. In den meisten Fällen verläuft die Cholera lediglich mit milden Symptomen wie leichter Durchfall und Bauchkrämpfe. Gefährlich und lebensbedrohlich wird die Krankheit erst, wenn das Vollbild der Erkrankung eintritt. Dann verläuft die Cholera in drei Stadien: Im ersten Stadium treten sehr plötzlich starker Durchfall und Erbrechen ein. Meist hat der Betroffene dünnflüssigen Stuhl, der häufig mit Schleimflocken durchsetzt ist (Reiswasserstuhl). Zusätzlich können Schmerzen im Bauch auftreten. Bis zu 20 Liter Flüssigkeit pro Tag kann der Körper durch Durchfall und Erbrechen verlieren.

Der Allgemeinzustand von an Cholera erkrankten Menschen verschlechtert sich sehr schnell. Die Betroffenen fühlen sich kraftlos und haben ein hohes generelles Krankheitsgefühl. Im zweiten Stadium kommt es durch Flüssigkeitsmangel zu erniedrigter Körpertemperatur, zudem fällt der Blutdruck. Optisch ist dies am Gesicht erkennbar: Die Nase wird spitz, die Wangen sind eingefallen und es kommt zu stehenden Hautfalten. Sekundäre Symptome der Exsikkose (Austrocknen) können Übersäuerung, Herzrhythmusstörungen, Muskelkrämpfe und ein hypovolämischer Schock mit Tachykardie (Herzrasen), Oligurie (Unterschreiten der üblichen Urinmenge), Kollaps und sogar Koma sein. Diese Symptome gehen bereits in das dritte Stadium über. In diesem reagiert der Körper mit Benommenheit oder Verwirrtheit auf die Erkrankung, zudem kann es zu Hautausschlag und zum Koma kommen. Hinzu können Komplikationen wie eine Sepsis, eine Lungenentzündung oder eine Entzündung der Ohrspeicheldrüse kommen.

Diagnose von Cholera

Oft lassen bereits die Symptome des Betroffenen sowie sein Aufenthaltsort in den letzten Tagen auf Cholera schließen. Eine schnelle Diagnose ist bei der Behandlung von Cholera entscheidend.  Bei akuter Cholera lassen sich die Erreger per mikroskopischem Nachweis im Stuhl, meist per Dunkelfeldmikroskopie, feststellen. Der Stuhl besteht fast ausschließlich aus Wasser und den Vibrio Cholerae-Bakterien. Außerdem lassen sich die Erreger im Erbrochenen und im Darmsekret nachweisen. Im Labor wird dann eine Stuhlkultur angelegt, um die Erreger endgültig nachzuweisen. Dieser Vorgang dauert jedoch ein paar Tage und ist somit für eine rechtzeitige Diagnose nicht geeignet. Die Anzucht einer Stuhlkultur erfolgt mit dem Nährboden "Thiosulfate-Citrate-Bile-Sucrose-Agar (TBCS)". Zudem können Stuhlproben in alkalischem Peptonwasser (APW) bei einem pH-Wert von 8,4 inokuliert werden. Das Inokulat wird nach einer Inkubationszeit von vier bis acht Stunden bei Körpertemperatur (37 Grad Celsius) auf TCBS abgestrichen. Mit Hilfe eines Antiserums kann eine definitive Labordiagnose erfolgen. Neben diesen gängigen Methoden gibt es noch weitere Möglichkeiten, die Erreger der Cholera, die Vibrio Cholerae-Bakterien, eindeutig zu identifizieren.

Therapie und Behandlung bei Cholera

Die Behandlung bei Cholera muss so früh wie möglich einsetzen. Anlass zur Therapie geben dem behandelndem Arzt daher bereits die Symptome des Betroffenen, nicht erst die endgültige Diagnose des Labors.  Wichtigster Bestandteil der Therapie ist, den großen Flüssigkeitsverlust durch Durchfall und Erbrechen wieder auszugleichen. Ohne Flüssigkeitsgabe kann es zu Nierenversagen und in der Folge zum Ausbleiben von Urin, zum Schock und zu Bewusstseinsstörungen kommen.  Zum Ausgleichen des Flüssigkeitsverlusts enthält der Betroffene eine Trink- oder Infusionslösung mit Mineralsalzen (Elektrolyten) und Zucker (Glukose). Eine optimale Salz- und Glucoselösung enthält 13,5 Gramm Traubenzucker pro Liter, 2,9 Gramm Natriumcitrat pro Liter, 2,6 Gramm Natriumchlorid (Kochsalz) pro Liter und 1,5 Gramm Kaliumchlorid pro Liter. Eine intravenöse Gabe dieser Flüssigkeit per Infusion ist optimal, weil so der Magen-Darm-Trakt umgangen wird.

In den Dritte Welt-Ländern erfolgt die Behandlung mit oraler Aufnahme der Lösung jedoch ebenfalls erfolgreich. Bereits vor einer Einlieferung ins Krankenhaus ist das Verabreichen von gezuckerten und gesalzenen Getränken an den Patienten also sinnvoll. Medikamente gegen Durchfall zeigen hingegen keine Wirkung. Eine zusätzliche Therapie mit Antibiotika kann den Verlauf der Krankheit, insbesondere die Dauer des Durchfalls, verkürzen, ist jedoch - im Gegensatz zum Flüssigkeitsausgleich - nicht zwingend notwendig. Erwachsenen wird meist ein Antibiotikum mit dem Wirkstoff Doxycyclin verabreicht, Kinder erhalten in der Regel ein Antibiotium mit dem Wirkstoff Trimethroprim-Sulfamethoxazol. Unbehandelt beträgt die Letalität (Sterberate) bei Cholera etwa 40 Prozent. Die Krankheit ist jedoch sehr gut behandelbar und bei angemessener Therapie sinkt die mittlere Letalität auf ein bis fünf Prozent.

Die Dauer der Krankheit beträgt behandelt in der Regel nicht mehr als sechs Tage. Nach einer auskurierten Cholera-Infektion ist das Immunsystem des Betroffenen geschwächt und der Körper ist anfälliger für eine weitere Erkrankung an Cholera und anderen Infektionen. Der Cholera vorbeugende Maßnahmen wie das Abkochen des Trinkwassers können helfen, eine Ausbreitung zu verhindern. Auch eine Impfung gegen Cholera ist erhältlich, jedoch bietet sie keinen absoluten Schutz vor der Erkrankung. Neure Schluckimpfungen bieten einen höheren Schutz und eine bessere Verträglichkeit als herkömmliche und inzwischen veraltete intramuskuläre Impfungen. Zusätzlich zur Cholera verhindert der Wirkstoff der Impfung auch etwa ein Fünftel aller Reisedurchfallerkrankungen, da er auch gegen E. Coli-Erreger wirksam ist. Dennoch wird die Impfung nicht generell empfohlen. Sie sollte in besonderen Fällen wie bei Ersthelfern in Krisengebieten jedoch mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Normalen Reisenden wird hingegen empfohlen, auf eine gute Trinkwasserqualität am Urlaubsort zu achten, Eiswürfel dort zu meiden und Lebensmittel, die mit kontaminiertem Wasser abgewaschen wurden, gänzlich abzulehnen. Hierzu gehören beispielsweise Salate aus Rohkost oder Obst.

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