Dekubitus: Ursache, Symptome, Diagnose und Therapie bei Dekubitus

Dekubitus

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Dekubitus

Ein Dekubitus, auch als Druckgeschwür bezeichnet ist eine Schädigung der Haut in allen Schichten. Sie entstehen meistens durch Fehler in der Pflege.

Sie sind schmerzhaft und entwickeln sich teilweise recht schnell. Sie treten meistens bei älteren und immobilen Pflegebedürftigen auf. 

Der Dekubitus wird in vier Grade eingeteilt die von A bis D klassifiziert sind und die einzelnen Stufen unterscheidet man nochmal nach der Schwere der Wunde in Stufe 1-3. 

  • Grad A beschreibt eine noch intakte Haut die bereits gerötet und verhärtet ist.
  • Grad B beschreibt einen oberflächlichen Hautschaden, der auch als Blase auftreten kann, oder sich als Hautabschürfung darstellt.
  • Grad C beschreibt den kompletten Verlust der Haut bis auf die Muskelschichten, das umliegende Gewebe kann bereits nekrotisch sein. 
  • Grad D beschreibt eine ausgedehnte Schädigung über die Haut hinaus, hier können auch bereits Knochen oder Sehnen nekrotisch betroffen sein. Dieses Bild ist wenn überhaupt nur chirurgisch therapierbar. 

Der Zustand der Wunde wird in Stufen von 1-3 eingeteilt

  • Stufe 1 findet man bei sauberen Wunden mit Granulationsgewebe, der Dekubitus ist hierbei nekrosefrei
  • Stufe 2 findet man bei belegten Wunden bei denen das umliegende Gewebe nicht infiltriert ist. 
  • Stufe 3 findet man bei nekrotisierenden tiefen Wunden, oft auch verschwägert mit einer Sepsis. 

Lokalisiert wird ein Dekubitus am häufigsten am Gesäß oberhalb des Sitzbeins. Weitere häufig betroffene Stellen sind die Fersen, die Ellenbogen, die Knöchel, das Steiß- und das Kreuzbein.

Ursache von Dekubitus

Die Ursachen eines Dekubitus sind klar umrissen. Er entsteht bei zu großem Druck auf das Gewebe infolge von Immobilität oder ungünstigen Scherkräften. Das Risiko erhöht sich je länger das Gewebe dem Druck ausgesetzt ist. Als Formel für das Risiko kann man Druck x Zeit ansetzen. Bereits der Druck des Körpergewichts eines untergewichtigen Patienten kann ausreichen um einen Dekubitus entstehen zu lassen. Kommen weitere ungünstige Faktoren hinzu, entsteht schnell eine rote "Druckstelle". Diese ist laut obiger Tabelle bereits als Dekubitus Grad A zu klassifizieren. 

Weitere die Entstehung begünstigende Faktoren können sein:

  • Übergewicht: Je höher der Druck auf die betroffenen Stellen umso schneller entsteht oder verschlimmert sich ein Dekubitus
  • Inkontinenz: Die hautreizende Wirkung von Urin trägt zur Anfälligkeit für Hautschäden bei. Aus diesem Grund ist eine zeitnahe Versorgung von inkontinenten Patienten dringend anzuraten.
  • Lagerungsfehler: Zu kurze Abstände bei der Lagerung und die falschen Positionen stellen ein weiteres Risiko dar. Durch die mangelnde Entlastung wird die Blutzufuhr in den entsprechenden Arealen unterbrochen. 
  • Querschnittlähmung: Eine eventuelle Hautreizung kann durch die mangelnde Sensibilität nicht wahrgenommen werden. 
  • Untergewicht: Das mangelnde Unterhautfettgewebe begünstigt den Druck durch hervorstehende Knochenpartien wie z. B. Ferse oder Sitzbein.

Symptome bei Dekubitus

Die Haut rötet sich zunächst leicht und kann sich auch warm anfühlen, erst in späteren Stadien kommen auch Juckreiz und Schmerzen hinzu. Erst im weiteren Verlauf ist die Haut dann nicht mehr intakt, anfänglich findet sich nur eine -oft aus einer Blase entstandene- Hautläsion. Später finden sich schwere Hautschädigungen mit Blutungen, die tief bis in das Gewebe reichen. Auch die Knochen und Muskeln können beteiligt sein. Bei einer Infektion des betroffenen Gewebes kommt starke Geruchsbildung und evtl. Fieber hinzu. Spätestens bei Entwicklung der Läsion tritt auch Juckreiz und Schmerzen in der betroffenen Gegend auf, die sich mit zunehmenden Befund verstärken.

Diagnose von Dekubitus

Die Diagnose erfolgt ausschließlich über die sog. Blickdiagnose. Die sichtbare Schädigung der Haut und die evtl. Geruchsbildung sind deutliche Zeichen durch die eine Diagnose festgeschrieben wird.

Therapie und Behandlung bei Dekubitus

Die Therapie besteht eigentlich hauptsächlich durch eine sorgfältige Prophylaxe, diese sollte bis ins Detail von erfahrenen Pflegekräften geplant und nach Möglichkeit durchgeführt werden. Ist die Durchführung durch eine Fachkraft nicht möglich, dann muss die Pflegeperson umfassend eingewiesen werden, und eine Kontrolle der Maßnahmen sowie deren Erfolg durch eine professionelle Pflegerin ist unumgänglich. Je höher das Risiko umso engmaschiger sollten die Kontrollen sein. 

In Übereinstimmung mit den oben genannten Risikofaktoren müssen die Maßnahmen wie folgt aussehen: 

Auf das Körpergewicht, welches eines der Hauptrisiken darstellt, kann man nur schwer Einfluss nehmen, aber trotzdem sollte die Pflegeperson darauf achten, dass der Patient genug isst und trinkt. 

Bei vorliegender Inkontinenz richtet sich die Prophylaxe nach der Art der Versorgung. Bei einer Katheterversorgung ist auf die korrekte Position der Schläuche zu achten. Bei einer Versorgung mit Einlagen und Windeln ist unbedingt auf die korrekte Passform und Handhabung des Materials wert zu legen. Alles andere kann die Haut durch weiteren Druck massiv schädigen. 

Die Druckentlastung ist aber der zentrale Punkt der Prophylaxe. Die Umlagerung sollte in regelmäßigen Abständen erfolgen, die 2 Stunden nicht über- aber 90 min nicht unterschreiten sollten. Es hat sich die sog. 30°-Lagerung bewährt, bei der die Patienten mit Hilfe von Lagerungshilfsmitteln abwechselnd über die rechte oder die linke Seite jeweils in einem Winkel von 30° seitwärts hoch gelagert werden. Die Umlagerung oder auch Umpositionierung ist der wichtigste Bestandteil der Druckentlastung. Bei der angesprochenen Lagerungsmethode ist neben dem entlastenden Effekt auch eine bessere Ventilation der Haut zu erreichen. 

Neben den Lagerungsmöglichkeiten gibt es zahlreiche Hilfsmittel. Bewährt haben sich sog. Wechseldrucksysteme. Das sind Auflagen auf der Matratze die mit mehreren Luftkammern versehen sind. Ein Kompressor pumpt die Kammern wechselweise auf und lässt die Luft wieder entweichen. Dadurch werden unterschiedliche Phasen bei der Entlastung gewährleistet.Diese Systeme sind in Heimen weit verbreitet, im häuslichen Bereich spielen sie aufgrund des Preises und wegen des Aufwandes noch immer kaum eine Rolle. Sie gelten aber als sehr effektive Hilfe bei der Lagerung. Weiterhin gibt es Auflagen aus Schaffell, die nach internationalem Standard auch für die Kochwäsche geeignet sein müssen (australischer Standard) damit die Hygiene sichergestellt ist. Auch spezielle Matratzen sind hilfreich. Die bestehen aus einem speziell geschäumten Material das druckelastisch ist. Der Patient liegt darin eingebettet und der spezielle Schaum sorgt für möglichst wenig Druck. 

Zum Bereich Druckentlastung gehört auch die möglichst frühe Mobilisation von Patienten. Die Bewegung -ob durch die Pflege oder gar eigenständig- ist ein weiterer wichtiger Pfeiler der Vorsorge. Schon das regelmäßige Sitzen auf der Bettkante reduziert das Risiko deutlich. 

Ist der Schaden dann aber doch eingetreten, gibt es Maßnahmen die ergriffen werden können. Die Wunde muss regelmäßig mit feuchten Verbänden abgedeckt werden, nachdem sie gründlich mit Spüllösung (0,9% Natriumchloridlösung oder Polihexanid) ausgespült wurden. Nach angemessener Trocknung wird der Wundverband mit Hydrogel oder Hydrokolloidverbänden die durch eine Silikonverbindung selbstständig auf der Haut haften abgedeckt. Klebende Verbände mit Klebemull oder Pflaster sollten vermieden werden. Der Zug der auf der Haut bei der Entfernung entsteht kann verheilende Wunden wieder aufreißen lassen und der Heilungsprozess müsste von vorne beginnen. Außerdem verursacht das Ablösen beim Patienten starke Schmerzen, auch eine solche Belastung des Patienten sollte vermieden werden. Es stehen unterschiedliche Verbandmaterialien zur Versorgung bereit. Welches zu wählen ist, entscheidet sich nach der Schwere des Befundes sowie der Lokalisation der Wunde. Die geeignete Therapie sollte in jedem Fall der Arzt evtl. in Zusammenarbeit mit einer WundmanagerIn festlegen. 

Bei schweren Fällen gibt es auch noch eine chirurgische Lösung, bei der die Wundränder mit patienteneigenen Hautlappen verschlossen werden. Diese Hautlappen werden in einem Schritt vor der eigentlichen Wund-Op entnommen, oft aus dem Oberschenkel oder der Wade, vorher muss die Haut dort evtl. gedehnt werden, damit nicht eine weitere klaffende, offene Wunde entsteht. Der Hautlappen und das unterfütternde Gewebe werden dann in den Dekubitus transplantiert. Das Anwachsen muss unter ärztlicher Aufsicht geschehen, das Belastungsprofil für die betreffenden Regionen muss langsam aber stetig gesteigert werden, damit hier keine Überlastung eintritt.

Die Behandlung eines Dekubitus ist langwierig und schwierig. Der Patient muss sich auf eine sehr lange Heilungszeit einstellen.

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