Flechte (Vitiligo): Ursache, Symptome, Diagnose und Therapie bei Flechte

Flechte / Vitiligo

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Flechte / Vitiligo

Bei der Flechte oder Vitiligo handelt es sich um eine Hauterkrankung. Dabei geht es um eine Störung der Pigmentbildung.

Die "Weißfleckenkrankheit" oder Scheckhaut betrifft ungefähr zwei Prozent aller Menschen weltweit. Sie verläuft chronisch, schreitet mit dem Verlauf der Erkrankung, in den meisten Fällen fort, und ist nicht ansteckend. Der medizinische Fachbegriff für diese Form der Hautkrankheit lautet Leucopathia acquisita. Bekanntester "Fall" in Sachen Vitiligo war Michael Jackson.

Ursachen der Flechte

Es hat sich herausgestellt, dass die Zellen, die die Pigmentstörung aufweisen einen Überschuss an Wasserstoffperoxid enthalten. Hervorgerufen wird dieses Überangebot oft durch zu großen psychischen Stress, der auch Auslöser einer Autoimmunkrankheit oder Stoffwechselerkrankung sein kann. Dementsprechend tritt die Vitiligo gehäuft bei Patienten auf, die an einer solchen Autoimmunkrankheit leiden. Auch kann das Auftrten den Hauterkrankung auf einen ersten Schub einer beginnenden Autoimmunerkrankung hinweisen. Auffällig oft tritt die Vitiligo in Verbindung mit Schiddrüsenerkrankungen (Hashimoto, Basedow) auf. Auch bei der Diabetes mellitus Typ I wird sie gehäuft festgestellt. Somit wird auch der Stress, der ja bei all diesen Erkrankungen vorzufinden ist, da der Körper ständig versucht, die Ausgangslage wieder herzustellen oder körpereigene Zellen bekämpft, als Auslöser angenommen. Vererbung als Ursache wird zwar angenommen, kann aber nicht als grundsätzlicher Auslöser angesehen werden, da auch Patienten ohne gehäufter Vitiligo in der Familie vorstellig werden. Nur bei 33 % der Patienten taucht diese Erkrankung der Haut auch in der Familie auf.

Symptome bei Flechte

Weiße, pigmentfreie Stellen, die sich zumeist stark abgrenzen, werden auf der Haut sichtbar. Die Pigmentstörung kann überall am Körper auftreten. Stellen, die am häufigsten betroffen sind, finden sich an den Unterarmen, den Hangelenken, den Händen, den Fingern, den Füßen, den Genitalien und den Ellenbogen. Diese können sich, mit der Zeit, ausbreiten, müssen es aber nicht. Selbst Lippen und Haare, sogar die Mundschleimhäute können von dem Mangel an Melatonin betroffen sein. Wirklich auffallen tun die weißen Flecken, in unseren Breitengraden, meist erst, wenn sich herausstellt, dass die betroffenen Regionen bei Sonneneinstrahlung schnell einen Sonnenbrand davontragen aber keinerlei Bräunung aufweisen. Bei dunkelhäutigen Ethnien sieht man sie dagegen sofort. Die Flechte kann in jedem Alter auftreten. Kleine Störungen können sich auch von selbst zurückbilden, wenn die körpereigenen Zellen, die für die Färbung der Haut zuständig sind, ihre Arbeit wieder aufnehmen. Bei großflächiger Ausbreitung ist von einer Spontanremission nicht auszugehen. Auffällig ist, dass sich an den erkrankten Stellen, nur dort, kein Hautkrebs bildet, egal, wie intensiv die Bestrahlung ist.

Diagnose von Flechte

Die Diagnose leitet sich von den oben genannten Symptomen her. Um andere Erkrankungen, wie den weißen Hautkrebs auszuschließen – gerade bei Menschen ohne Autoimmunerkrankung - werden Zellen der befallenen Regionen pathologisch untersucht. Hierzu werden mit einem Laser oder einem Hochleistungsschleifer die zu untersuchenden Zellen entnommen.

Therapie und Behandlung von Flechte

Heilbar ist die Vitiligo bisher nicht. Das liegt zum einen daran, dass noch nicht zu 100 % gesagt werden kann, warum und wie sie entsteht - dieses Problem stellt sich ja auch bei den Autoimunerkrankungen -, zum anderen daran, dass es sich um eine harmlose Erkrankung handelt, die keinerlei Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des Körpers hat. Eine Therapie kann deshalb nur darauf abzielen, die Pigmentstörung, durch Anregung der farbgebenden Zellen, rückgängig zu machen Dies ist, wenn es gelingt, den Wasserstoffperoxidgehalt, in den jeweiligen Zellen, verringert werden kann, durchaus möglich. Trotzdem ist bisher nicht davon auszugehen, dass dies auch bei großem Ausmaß der Erkrankung gelingen kann. Im Zuge einer Autoimmunerkrankung geht es darum, die Immunabwehr, welche sich ja gegen die körpereigenen Zellen richtet, zu beeinflussen. Die meisten Therapieformen werden von den Krankenkassen jedoch, aufgrund der Tatsache, dass die Erkrankung den Körper und damit die Leistungsfähigkeit des Patienten nicht beeinflusst, nicht übernommen. Aus dem gleichen Grund genehmigt auch die Regierung in Deutschland keine Forschungsgelder für diesen medizinischen Bereich. Die psychischen Auswirkungen bei betroffenen Patienten können indes immens sein. Unkenntnis über die Krankheit bewirkt in manchen Kulturkreisen, dass der Patient gemieden wird.

Auch hierzulande kann das Selbstwertgefühl leiden, wenn die Flechte an Stellen des Körpers auftritt, an denen sie schlecht verborgen werden kann, wie im Gesicht, zum Beispiel, oder im Hochsommer das Tragen von schützender Kleidung unumgänglich ist. Gerade bei Kindern kann Mobbing zum Problem werden. Dann notwendige Psychotherapeien werden von den Krankenkassen getragen. Daher gilt auch seit 1996, dass Personen, die aufgrund dieser und anderer Erkrankungen der Haut, wie Neurodermitis, die betroffenen Körperregionen zu verbergen suchen oder müssen und deshalb in ihrer Beweglichkeit stark eingeschränkt sind, einen Behinderungsgrad, in schwersten Fällen, von 35 % erworben haben. Der größte Erfolg, bei der Behandlung von Vitiligo, ist bei einem Bestrahlen mit UV Licht zu erwarten. Da die weißen Stellen der Haut anfälliger sind für Sonnenbrand, als die gesunden, müssen diese besonders geschützt werden, wenn sie der Sonnenbestrahlung ausgesetzt werden. Dies kann durch Bekleidung oder Sonnencremes geschehen. Die UV Bestrahlung zielt auf eine Desensibilisierung ab, damit ein extra Schutz der befallenen Areale nicht mehr notwendig ist. Diese Form der Therapie kann mit farbgebenden Präparaten, die aus Naturstoffen gewonnen werden (Psorale), unterstützt werden. Eine Therapie mit UV Licht ist langwierig.

Sechs bis zwölf Monate Behandlungszeit müssen eingerechnet werden, in denen viele kurze Sitzungen vonnöten sind. Zeigt sich nach drei Monaten keinerlei Besseerung der Symptomatik, ist es angezeigt, die Therapie abzubrechen. Eine erfolgversprechende Behandlung mit Medikamenten gibt es bisher nicht. Steroide wurden ausprobiert, zeigten jedoch nicht die gewünschte Wirkung. Neuere Präparate befinden sich noch in der Erprobung. Klare Aussagen über eine Wirksamkeit können bisher nicht getroffen werden. In besonders schweren Fällen ist eine Transplantation möglich. Hierfür werden Melanozyten (die farbgebenden Zellen) von einer der gesunden Stellen der Haut des Patienten entnommen und, im Labor, auf die Größe des zu behandelnden Areals gezüchtet. Später wird die so erzeugte Haut transplantiert. Gerade im Gesicht hat sich diese Methode bewährt. Sind die befallenen Hautpartien, auch an anderen Stellen des Körpers, sehr großflächig ist es eine Überlegung wert, einen Farbausgleich anzustreben. Dabei werden die verbliebenen Pigmente der gesamten, gesunden, Haut zerstört. Dies kann über mehrere chirurgische Eingriffe, der Gabe von Medikamenten oder durch eine Laserbehandlung geschehen. Da die Vitiligo zumeist bei Patienten, die an einer Autoimmunerkrankung leiden, festge-stellt wird, werden begleitende Therapieformen angeboten.

Die Psychotherapie soll so beim Stressabbau helfen und die anderen psychischen Folgen, die durch Ausgrenzung und Veränderung des Selbstwertgegühls entstehen, mildern. Auch die Ernährungstherapie zielt auf den Stressabbau. In diesem Fall geht es darum, dass bei einer Autoimmunkrankheit überschießende, Immunsystem mit gesunder, zielgerichteter, Ernährung herunterzufahren, Sodass die Zerstörung der Melanozyten gebremst wird. Die Sporttherapie zielt auf das gleiche Ergebnis. Die Immunabwehr, gegen die körpereigenen Zellen, soll durch mäßigen Sport herabgesetzt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass der Körper nicht durch die sportliche Betätigung gestresst wird. Gymnastik und Schattenboxen ist daher einer Wettkampfsporart vorzuziehen. Auch Wandern oder Laufen, solange es nicht übertrieben wird, kann eine zu empfehlende sportliche Aktivität darstellen.

Weiterhin gibt es die Möglichkeit, die betroffenen Areale der Haut mit speziellen Make-Ups oder Selbstbräunern zu behandeln. Auch Beta-Carotin Kapseln können zu einer orangen Färbung der weißen Hautstellen führen, sodass der Farbunterschied, zur gesunden Haut, vermindert wird. Dieses Verfahren wird Camouflage genannt. Neueste Studien haben im Maustest ergeben, dass Pipin, ein Wirkstoff des Pfeffers, die Bildung von Melanin positiv beeinflusst. Die Forscher arbeiten auf Hochtouren.

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