Gelbfieber (Ochropyra): : Ursache, Symptome, Diagnose und Therapie bei Gelbfieber

Gelbfieber

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Gelbfieber

Das Gelbfieber, auch als Ochropyra oder als die Siamesische Krankheit bezeichnet, ist ein hämorrhagisches Fieber, eine Infektionskrankheit, die durch das Gelbfieber-Virus ausgelöst wird.

Die Wurzel der Krankheit ist vermutlich im tropischen und subtropischen Afrika zu finden, von wo aus es sich durch den Sklavenhandel des 16. und 17. Jahrhunderts besonders nach Amerika, jedoch auch nach Europa und in das restliche Afrika verbreitete. Die Weltgesundheitsorganisation WHO gibt die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen mit etwa 200.000 an. In ungefähr 30.000 dieser Fälle endet der Verlauf der Krankheit tödlich. Über 90% dieser Krankheitsfälle sind auf dem afrikanischen Kontinent angesiedelt. Die größte Gefahr, an Gelbfieber zu erkranken, besteht jeweils in den tropischen und subtropischen Regionen Afrikas und auch Südamerikas. In Asien und im Mittleren Osten ist das Gelbfieber bislang noch nicht aufgetreten, obwohl die Gelbfiebermücke auch in diesen Regionen beheimatet ist. Auch der pazifische Raum ist bisher frei von der Infektion geblieben. Im Jahre 1927 gelang es erstmals, das Gelbfiebervirus zu isolieren. Dies führte bereits in den 1930-er Jahren zur Entwicklung erster wirksamer Impfstoffe, die aus Hühnereiern gewonnen werden konnten. Das Gelbfiebervirus eignet sich zur Verwendung als biologische Waffe. Bekannt ist, dass sowohl die Regierungen der USA, aber auch Nordkoreas entsprechende Versuchsreihen anordneten. Die Vereinigten Staaten haben nach eigenen Bekunden ihre Bemühungen, eine auf Gelbfieberviren basierende biologische Waffe zu entwickeln, im Jahre 1969 eingestellt. Dennoch wird befürchtet, dass beispielsweise terroristische Organisationen in der Lage dazu wären, heute das Gelbfiebervirus als biologische Waffe in dicht besiedelten Gebieten Nordamerikas oder Europas einzusetzen. In Deutschland, in Österreich und in der Schweiz unterliegt bereits der Verdacht einer Gelbfiebererkrankung der Meldepflicht.

Ursachen für Gelbfieber

Das Gelbfieber-Virus, welches bis zu 50 Nanometer Größe erreicht und wie das Pestvirus zur Familie der Flaviviridae zählt, gelangt durch den Stich der Stechmücke, die sich beim Verzehr ihrer Blutmahlzeit mit Gelbfieber infizierten Primaten zuwandte, zunächst in den Körper der Stechmücke, wo es sich weiter vermehrt und schließlich die Speicheldrüsen der Stechmücke infiltriert und infiziert. Von hier aus kann es bei der nächsten Blutmahlzeit weitergegeben werden. Lediglich Primaten und diverse Arten der Stechmücke sind als Wirtsorganismen des Gelbfiebers bekannt.

Symptome bei Gelbfieber

Die Inkubationszeit beträgt beim Gelbfieber 3 bis 6 Tage. In der Mehrzahl der Fälle äußert sich die Erkrankungen in der Symptomatik einer normalen Influenza, mit beispielsweise Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Fieber und Kopf-, Rücken- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost, die in der Regel nach wenigen Tagen wieder abklingen. Typisch sind plötzliche Fieberschübe mit Temperaturen von 40 Grad oder auch mehr. Bei fast 90% aller Erkrankten verläuft die Erkrankung recht mild und die Beschwerden klingen nach etwa 4 Tagen von selbst wieder ab, so dass Besserung eintritt. Jedoch bei fast 15% der Patienten kehr die Erkrankung nach dieser kurzzeitigen Phase scheinbarer Genesung mit dramatischen Begleiterscheinungen zurück. Meist ist dieser Rückfall von einer klassischen Geldsucht begleitet, die auf eine Schädigung der Leber in der ersten Phase der Erkrankung zurückzuführen ist. Ebenso sind krampfhafte Schmerzen im Unterleib und charakteristische Blutungen aus den Schleimhäuten von Mund, Nase und Augen typisch. Blutungen der Schleimhäute des Magen-Darm-Traktes führen zu blutigen Stühlen oder zum Bluterbrechen. Oft ist das Blut durch den Kontakt mit der Magensäure schwarz verfärbt, woher der historische Ausdruck "Schwarzes Erbrechen" oder das im Film "Jenseits von Afrika" gebrauchte Synonym "Schwarzwasser-Fieber" rühren. Etwa ein Viertel aller Patienten, die von dieser zweiten und sogenannten toxischen Phase der Erkrankung betroffen sind, sterben daran. Wer jedoch überlebt, der ist zeitlebens immun gegen das Gelbfieber. Hauptsächlich schädigt das Virus die Zellen der menschlichen Gefäße und der Schleimhäute, jedoch auch die Muskelzellen des Herzens.

Diagnose von Gelbfieber

In der ersten und fiebrigen Phase der Erkrankung, sofern sie mild verläuft, wird die Krankheit selten erkannt, da sie nur durch virologische Untersuchungen sicher diagnostiziert werden kann und sich die Patienten, zumal dann, wenn Besserung erkennbar ist, meist nicht in ärztliche Behandlung oder in eine Klinik begeben. Demzufolge wird die Diagnose fast immer in Kliniken gestellt, sofern die Patienten sich bereits in der zweiten, der toxischen Phase der Erkrankung, befinden. Etwa 6 bis 10 Tage nach Beginn der Erkrankung kann das Virus im Körper des Patienten nachgewiesen werden. Zum Nachweis dient die sogenannte Reverse Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion (RT-PCR), ein molekularbiologisches Verfahren zur Diagnose von RNA-Viren, das auch bei Influenza- und HIV-Patienten Verwendung findet. Hierbei wird das Erbgut des Gelbfieber-Virus vervielfältigt und direkt nachgewiesen. Auch kann das Virus isoliert und in Zellkultur aufgezogen und dann auf diese Weise nachgewiesen werden. Letzteres Verfahren nimmt allerdings einen Zeitraum von bis zu 4 Wochen in Anspruch. Auch kann der sogenannte Immunadsorptionstest durchgeführt werden. Hierbei wird das für Gelbfieber typische Immunglobulin M (IgM) nachgewiesen. All diese diagnostischen Untersuchungen dürfen bei bestehendem Gelbfieber-Verdacht nur in Laboren der Sicherheitsstufe 3 durchgeführt werden, die über entsprechende bauliche Voraussetzungen für den Umgang mit luftübertragbaren Krankheiten verfügen. In der Bundesrepublik existieren solche Labors am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg, am Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems und an der Philipps-Universität Marburg. Ein weiteres Labor am Robert Koch-Institut in Berlin befindet sich im Bau und wird vermutlich im Jahre 2014 in Betrieb genommen werden. Im Rahmen einer Differentialdiagnose sind jedoch alle fiebrigen Erkrankungen, die wenige Tage nach Aufenthalten in den charakteristischen Gebieten auftreten, zunächst verdächtig. Zumal, wenn sie in Verbindung mit den Symtomen einer Gelbsucht und mit entsprechenden Neigungen zu Schleimhautblutungen stehen. Verwechslungen mit Malaria, aber auch mit anderen Virusinfektionen, sind generell möglich.

Behandlung und Therapie bei Gelbfieber

Für alle von den Mitgliedern der Familie der Flaviviridae ausgelösten Infektionskrankheiten existiert jeweils keine spezifische Therapie. Unbedingt muss jedoch, bereits beim Verdacht auf eine Gelbfieber-Erkrankung, umgehend eine Einweisung in eine Klinik und eine intensivmedizinische Therapie erfolgen. Die Behandlung erfolgt meist lediglich in einer symptomatischen Therapie, die sich darauf konzentriert, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen und Elektrolyte zuzuführen (Rehydration). Auch hat sich die Schmerztherapie, beispielsweise durch Gaben des Medikamentes Paracetamol, bewährt. Sämtliche andere Therapieansätze waren bislang ineffektiv. Die beste Therapie gegen die Gelbfieber-Erkrankung besteht daher in einer vorbeugenden Impfung, die stets anzuraten ist, sofern man in die betroffenen Gebiete reist. Die Impfung wird von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen und führt bei etwa 95% der geimpften Personen bereits nach 10 Tagen zu einem wirksamen Impfschutz, der lebenslang bestehen bleibt und Immunität gegen das Virus garantiert. Für Säuglinge unter 6 Monaten und für Personen mit einer Allergie gegen Hühnereiweiß ist der Impfstoff allerdings nicht geeignet. Da verschiedene Staaten Asiens von der Gelbfieberepidemie bedroht sind, besteht dort sogar Impfpflicht für alle einreisenden Besucher aus dem Ausland, die bereits bei ihrer Einreise eine entsprechende Impfbescheinigung nachweisen müssen. Die Impfbescheinigung wird ab dem 10. Tag nach der erfolgten Impfung für die Dauer von in der Regel bis zu 10 Jahren als gültig anerkannt. Auch für Transitreisende besteht in den genannten Ländern Impfpflicht. Die Weltgesundheitsorganisation publiziert auf ihrer Internetpräsenz eine Liste derjenigen Länder, in denen die Impfpflicht besteht. Neben der vorbeugenden Impfung erlangt auch insbesondere die Kontrolle und vor allem die Bekämpfung der Gelbfiebermücke Bedeutung. Da die Gelbfiebermücke vor allem in Gewässern brütet, bieten sich bereits hier Möglichkeiten, um deren Larven mit biologischen Mitteln (larvenfressende Fische und Krebse) bereits wirksam und effektiv zu bekämpfen. Ebenso sind analoge Mittel, wie sie bei der Malaria-Prävention eingesetzt werden, geboten. Diese bestehen in der Verwendung von Moskitonetzen während des Aufenthaltes in den betroffenen Gebieten, aber auch im großflächigen Einsatz von Insektiziden. In Afrika ist bisher, trotz des Einsatzes modernster Mittel, die Ausrittung des Gelbfiebers noch nicht gelungen. In Paraguay wurde 2008 zuletzt ein Ausbruch des Gelbfiebers festgestellt.

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