Herzinfarkt (Myokardinfarkt): Ursache, Symptome, Diagnose, Soforthilfe und Therapie bei einem Herzinfarkt

Herzinfakart, Myokardinfarkt

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Herzinfakart, Myokardinfarkt

Unter einem Herzinfarkt (Myokardinfarkt) versteht man das Aussterben eines unterschiedlich großen Teils des Herzmuskels aufgrund einer Sauerstoffunterversorgungssituation des Herzens, die mit einer unterbrochenen Blutversorgung des Herzens einhergeht, da die Blutkörperchen den Sauerstoff zum Herzen und von dort aus bis in alle Zellen des Körpers transportieren.

Ein Herzinfarkt kann unter Umständen akut bis lebensbedrohlich verlaufen und verlangt eine intensive spezialmedizinische Behandlung.

Ursachen eines Herzinfarkts

Eine Hauptrolle bei den Herzinfarkt-Ursachen spielt die Arteriosklerose („Arterienverkalkung“) der Herzkranzgefäße. Die Koronare Herzkrankheit führt dazu, dass sich In den Schlagadern Ablagerungen (Plaques) bilden. Durch die Bildung von Plaques verkleinert sich der Durchmesser der Gefäße und führt zu einer eingeschränkten Durchblutung. Bei einer Bildung von Plaques in den Herzkranzgefäßen spricht man in der Medizin von einer Koronarsklerose.

Der Herzinfarkt entsteht durch eine Unterbrechung der Blutversorgung des Herzmuskels. Die Ursache, die zum Herzinfarkt führt, hat bereits ihren Ursprung mit der Bildung von Plaques. An kleine entstehende Risse in den Plaques lagern sich sofort Blutplättchen an, um die Risse zu verschließen. Dabei werden Botenstoffe freigesetzt, die weitere Blutplättchen anlocken und zur Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombus) führen. Das Blutgerinnsel verschließt den Gefäßdurchmesser, was dazu führt, dass die Blutversorgung unterbricht.

Symptome eines Herzinfarkts

Es gibt gewisse Anzeichen im Herzbereich oder Brustkorb, die auf ein Herzinfarktrisiko hindeuten können. Dazu zählen starke Schmerzen in diesen Regionen, massives Engegefühl im Herzbereich, heftiges Brennen und Atemnot sowie Übelkeit, Erbrechen, Luftnot und Schmerzen im Oberbauch. Die regelmäßige Blutdruckkontrolle kann ebenfalls dazu beitragen die Symptome rechtszeitig zu erkennen und notwendige Maßnahmen zu ergreifen.

Starke Schmerzen

Starke Schmerzen mit einer Dauer von mindestens fünf Minuten im Herzbereich sollten nicht unterschätzt werden. Diese Anzeichen sollten nicht unbeachtet gelassen werden. Wenn die Schmerzen zu stark werden, dann sollte man schnell handeln und den Notruf wählen. Die Herzschmerzen strahlen auch oft in andere Regionen wie z.B. in Rücken, Hals und Kiefer aus. 

Massives Engegefühl

Oft tritt ein Herzinfarkt mit einem heftigen Druck oder einem sehr starken Einschnürungsgefühl im Herzbereich in Erscheinung. Viele Menschen berichten nach einem Herzinfarkt von einem Gefühl einer enorm schweren Last auf der Brust.

Heftiges Brennen und Atemnot

Oft handelt es sich bei den Schmerzen eines Herzinfarkts auch um ein stark brennendes Gefühl hinter dem Brustbein. Auch eine plötzlich auftretende Atemnot ist ein Symptom.

Übelkeit, Erbrechen, Luftnot und Schmerzen im Oberbauch

Die sogenannten „unspezifischen Anzeichen? sind oftmals die alleinigen Symptome, die sich bemerkbar machen. Diese Symptome treten etwas häufiger bei Frauen als bei Männern auf. Zu unspezifischen Anzeichen zählen z. B.: Übelkeit, Luftnot, Schmerzen im Oberbauch und Erbrechen. Da solche Beschwerden auch bei anderen harmloseren Erkrankungen auftreten können, wird von der Deutschen Herzstiftung empfohlen Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen und einen Notarzt zu rufen, wenn diese unspezifischen Beschwerden in einem nie zuvor erlebten Ausmaß auftreten. Wenn es um die Gesundheit geht, ist Vorsicht besser als Nachsicht.

Erhöhter Blutdruck und Puls

Wenn bei der regelmäßigen Blutdruck-Messung deutlich höhere Werte als üblich feststellen, sollte unter bestimmten Umständen sofort der Notarzt alarmiert werden. Besonders gefährlich kann plötzlich auftretender Bluthochdruck sein, der innerhalb kurzer Zeit zu einem Schlaganfall oder Herzinfarkt führen kann. Wenn der Blutdruck trotz körperlicher Ruhe auf einmal bei 190-200 mmHg statt wie vielleicht sonst üblich bei 140 mmHg liegt, dann sollte ein Notruf gut abgewägt werden. Wer schon seit einigen Jahren einen schlecht eingestellten Blutdruck mit einem hohen Wert hat, kann einen Anstieg über 200 mmHg für kurze Zeit sehr gut verkraften. Bei einem ansonsten gesunden Menschen kann ein plötzlicher Anstieg des Blutdrucks extrem gefährlich sein. Besonders bei einem hohen Blutdruck in Verbindung mit einem der anderen erwähnten Symptome sollte man nicht lange mit einem Notruf zögern.

Diagnose eines Herzinfarkts

Bei einem Herzinfarkt erfolgt die erste Diagnose anhand der erwähnten Symptome. Jedoch können vor allem bei Frauen die typischen Anzeichen für einen Herzinfarkt fehlen. Daher sind weitere Untersuchungen wie das EKG und die Enzymdiagnostik notwendig, um einen Herzinfarkt zu diagnostizieren.

EKG

Moderne Technologie liefert mithilfe eines EKG (Elektrodiagramms) Hinweise wo sich der Herzinfarkt befindet (z.B. Herzvorderwand oder Herzhinterwand). Des Weiteren kann vom Arzt abgelesen werden, ob ein frischer Myokardinfarkt vorliegt oder der Infarkt bereits längere Zeit zurückliegt. Das EKG ist die verbreitete Untersuchungsmethode bei einem Verdacht eines Herzinfarktes.

Enzymdiagnostik durch eine Blutentnahme

Die zweitwichtigste Untersuchungsmethode bei einem Verdacht eines Herzinfarktes ist die Enzymdiagnostik, die anhand einer Blutuntersuchung durchgeführt wird. Während eines Herzinfarkts stirbt das betroffene Gewebe nach und nach ab. Bei diesem Prozess werden verschiedene Enzyme (Eiweiße) freigesetzt, die dann im Blut nachweisbar sind. Zu diesen Enzymen gehören Kreatinkinasen (CK-MB), Troponin I und Troponin II. Die Kreatinkinasen (CK) kommen hauptsächlich im Gehirn und in den Muskeln vor. Wenn ein Herzinfarkt vorliegt, so werden von den abgestorbenen Zellen des Herzmuskels das Herzenzym CK-MB verstärkt freigesetzt. Ebenso werden Troponin I und Troponin II freigesetzt und sind in einem Schnelltest bereits wenige Stunden nach dem Herzinfarktes vermehrt im Blut feststellbar.

Andere Untersuchungsmethoden

Mögliche Risikofaktoren wie zum Beispiel der Cholesteringehalt lassen sich ebenso durch eine Blutuntersuchung ermitteln. Das sogenannte EBT (Electron Beam Tomography) liefert zusätzliche Hinweise auf ein erhöhtes Herzinfarktrisiko. Es handelt sich dabei um ein spezielles und schnelles Computertomographie-Gerät. Mit diesem Gerät besteht die Möglichkeit die Kalkablagerungen in den Herzkranzgefäßen ohne einen körperlichen Eingriff darzustellen.

Therapie und Behandlung eines Herzinfarkts

Bei einem akuten Herzinfarkt zählt jede Minute. Daher gilt generell auch nur beim leisesten Verdacht: unverzüglich den Notarzt alarmieren! Rufen Sie schnellstens die Notrufnummer 112! Je eher die Behandlung einsetzt, desto besser stehen die Heilungschancen. Die ersten Stunden nach dem Herzinfarkt sind entscheidend. Zum einen sind Sofortmaßnahmen vor Ort zu ergreifen und zum anderen weitere Maßnahmen nach der Einlieferung in ein Krankenhaus.

Erste Hilfe

Die nötigen Erste-Hilfe-Maßnahmen können von den Auswirkungen des Herzinfarkts abhängen. Bei einem Herzinfarkt kann schlimmstenfalls zu einem sofortigen Herzstillstand kommen. Der sogenannte stumme Herzinfarkt kann nahezu unbemerkt ablaufen. Bis der Rettungsdienst eintrifft, sind bei einem Herzinfarkt folgende sofortige Maßnahmen zu ergreifen:

Sofortmaßnahmen beim Herzinfarkt

  • 112 oder die örtliche Notrufnummer alarmieren.
  • Beim Notruf Adresse, Name und Alter des Patienten sowie Beschwerden und bekannte Risikofaktoren angeben.
  • Den Patienten sofort mit angehobenem Oberkörper auf ein Sofa oder Bett legen.
  • Prüfen, ob die Betroffenen bei Bewusstsein sind und atmen.
  • Beengende Kleidung wie Krawatte und BH öffnen oder Hemd oben aufknöpfen.
  • Fernseher oder Radio abschalten, um Unruhe von den Betroffenen fernzuhalten. 
  • Nach dem Telefongespräch dafür sorgen, dass der Arzt die Wohnung schnell findet: Wohnung, Treppenhaus und Haustür so hell beleuchten wie möglich und einen Nachbarn bitten, den Arzt auf der Straße zu empfangen. Aber auf keinen Fall den Patienten lange alleine lassen.
  • Nach dem Eintreffen leiteten die Notärzte die ersten Maßnahmen zur Herzinfarkt-Behandlung ein. Gefährlichen Herzrhythmusstörungen können von den Notärzten schnell erkannt und durch Sofortmaßnahmen gemildert werden. Für die starken Schmerzen, die mit dem Herzinfarkt einhergehen, sind starke Schmerzmittel notwendig. Der Wachstum des Gerinnsels oder die Entstehung weiterer Gerinnsel wird durch Gerinnungshemmende Medikamente verhindert.

Weitere Behandlung

Nach der Einlieferung in das Krankenhaus erfolgt mindestens zwei bis drei Tage lang eine Überwachung auf der Intensivstation, da die ersten 48 Stunden nach einem Herzinfarkt besonders kritisch sind. Die Überwachung auf der Intensivstation beinhaltet ein kontinuierliches Monitoring von EKG und Blutdruck. Der Betroffene bekommt zur weiteren Therapie einen Zugang zum Gefäßsystem (zentraler Venenkatheter) gelegt und wird über eine Nasensonde mit Sauerstoff versorgt. Über den zentralen Venenkatheter erhält der Betroffene blutverdünnende Medikamente (Heparin). Des Weiteren erfolgt in der Regel eine medikamentöse Weiterbehandlung mit Azetylsalizylsäure (ASS), nach Stent in Kombination mit Clopidogrel, ACE-Hemmer oder AT1-Antagonisten, Betablocker und Cholesterinsenker (Statine).

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