Lungenemphysem: Ursache, Symptome, Diagnose und Therapie bei Lungenemphysem

Lungenemphysem

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Lungenemphysem

Ein Lungenemphysem bezeichnet die fortschreitende Zerstörung der Atemwege. Betroffen sind die kleinen Alveolarsysteme, die für den Sauerstofftransport in die Blutgefäße zuständig sind.

Emphysem kommt aus dem Griechischen und bedeutet Aufblähung, Aufgeblasensein durch Gase. Bei einem Lungenemphysem wird  die Lunge dabei überbläht und es führt bei Betroffenen zu Atemnot, Husten mit Auswurf, Abgeschlagenheit und häufigen Infekten der Atemwege. Die Leistungsfähigkeit der Lungen nimmt mit fortschreitendem Verlauf ab und damit auch das Allgemeinbefinden. Es kommt zu einer Verminderung der Ein- und Ausatmungsfähigkeit.

Ursachen eines Lungenemphysems

Ursache des Lungenemphysems ist der Verminderte Gasaustausch in den Alveolen. An den Alveolargängen hängen traubenförmig und dicht gepackt die Lungenbläschen. Die Alveolen sind das "eigentlich atmende" Lungengewebe. Werden die Trennwände der Lungenbläschen zerstört, so dass mehrere Bläschen zu einer großen Blase verschmelzen, kommt es zur Bildung von Emphysemblasen. Diese Blasen sind für den Gasaustausch schädlich. Sie verkleinern die Gesamtoberfläche gesunder Lungenbläschen, so dass weniger Sauerstoff in das Blut gelangt. Andererseits vergrößern sie das Lungenvolumen, weil sich Luft in den Blasen sammelt, die nicht mehr vollständig abgeatmet werden kann. Die Hauptursache dieser "Verklebung" der Alveolen ist das Rauchen, bzw. einatmen von Schadstoffen. Bei Nichtrauchern bildet sich ein Emphysem nur selten aus. Allerdings kann es sich auch in Folge einer Asthma-bronchiale-Erkrankung oder einer anderen Lungenerkrankung ausbilden. Über dem 55 Lebensjahr kann sich ein Altersemphysem entwickeln. Dabei kommt es durch  Alterung des Gewebes zum Untergand von Alveolen. Durch den Abbau der elastischen Strukturen im interstitiellen Gewebe fehlt die Rückstellkraft, was bedeutet, dass es bei der Ausatmung zu einem Kollaps der Bronchien kommt. Besonders bei der verstärkten Ausatmung bereitet es dem Patienten Schwierigkeiten, wogegen die ruhige Ausatmung möglich ist. Ein Streichholz könnte aus 15cm Entfernung nicht ausgeblasen werden. Eingeatmete Luft kann nicht mehr vollständig ausgeatmet werden und so ist eine deutliche Zunahme des Brustkorbumfanges zu messen.

Symptome bei einem Lungenemphysem

Durch die verminderte Sauerstoffversorgung des Blutkreislaufes kommt es anfänglich zu Kurzatmigkeit bei körperlicher Belastung z.B Treppensteigen. Die sog. Dyspnoe gibt dem Patient das Gefühl nicht mehr genug Luft zu bekommen. Es kann hier durch den Arzt eine schnelle und flache Atmung, oder eine betont tiefe Atmung konsultiert werden. Da sich das Emphysem meist aus einer chronischen Bronchitis heraus entwickelt, bestehen bei den Betroffenen seit längerer Zeit Husten und Auswurf. Im fortgeschrittenen Stadium ist durch den chronischen Mangel an Sauerfoff oft eine Zyanose zu beobachten. Es handelt sich hierbei um eine bläuliche Verfärbung der Lippen und Fingernägel. Durch die Symptome unterscheidet man bei den chronisch-obstruktiven Bronchial- und Lungenerkrankungen zwei Typen, wobei die Typisierung im Übergang fließend ist: "Pink puffer" ( rosafarbener Schnaufer ). Die Patienten sind schlank und es besteht nur ein geringer Sauerstoffmangel. Die Kolendioxidwerte im Blut sind normal. Es besteht meist eine ausgeprägte Atemnot bei erschwerter Atmung. Ein Husten mit Auswurf ist eher selten.

Der "Blue bloater" ( blauer Aufgedunsener )sind meist Menschen die übergewichtig sind. In ihrem Gewebe besteht bereits ein Sauerstoffmangel, wodurch es zur zentralen Zyanose ( blaufärbung ) kommt. Die Polyglobulie ist ein weiteres, typisches Symptom für den Blue bloater. Hier treten im Blut vermehrt Erythrozyten auf, meist um einen Sauerstoffmangel auszugleichen. Hämatokrit und Hämoglobolin sind im Blut deshalb erhöht. 

Weitere Symptome können in Form von Komplikationen entstehen. So ist die Gefahr einer Cor pulmonale, eine Rechtsherzinsuffizienz im späteren Verlauf des Lungenemphysems gegeben. Dabei kommt es zu einer Drucksteigerung im kleinen Kreislauf, die zu einer erhöhten Druckbelastung des rechten Herzens und schließlich zu einer Rechtsherzhypertrophie( krankhafte Vergrößerung des Muskelgewebes im rechten Ventrikel des Herzens) führt. Emphysemblasen, die sich gebildet haben, können platzen und dazu führen, dass noch funktionstüchtiges Gewebe verdrängt wird. Durch die dadurch verminderte Sauerstoffaufnahme kann es zur Kachexie ( Kräfteverfall ) kommen.

Diagnose eines Lungenemphysems

Die Diagnose des Lungenemphysems wird der Arzt in mehreren Untersuchungen feststellen. 

Durch die Erhebung der Anamnese des Patienten werden oft schon Hinweise deutlich, die auf die Erkrankung schließen lassen. Schon bei der Inspektion fällt dem Arzt der Fassthorax auf. Es handelt sich hierbei um einen weitgehend starren Brustkorb der nur zu eingeschränkten Atemexkursionen befähigt ist. Der Rippenverlauf ist waagrecht anstatt schräg nach unten. Die Schlüsselbeingruben erscheinen verstrichen oder sogar vorgewölbt. Hier kann mit einem Zentimetermaß die Differenz zwischen der maximalen Ein- und der maximalen Ausatmung gemessen werden. Bei einem gesunden Mann beträgt diese Differenz 10 - 12 cm. Bei einem Emphysematiker sinkt sie bis auf 1-2 cm ab. Der Lungenfunktionstest kann Auskunft über den Verdacht der Krankheit erhärten und ein Röntgenbild erbringt wertvolle Hinweise. Da sich das Lungenemphysem schleichend entwickelt, merkt der Patient die ersten Jahre nur wenig Symptome. Mit dem Husten kann man gut umgehen und die wegbleibende Luft erklärt man sich durch das zunehmende Alter und wenig Sport. Da der Arzt darum meist sehr spät aufgesucht wird, bekommt man die Diagnose eines fortgeschrittenen Emphysems. 

Bei der Perkussion ( Abklopfen ) zeigen sich die Lungengrenzen wenig verschieblich. Es liegt ein Zwerchfelltiefstand vor. Über den Lungen ist durch die vermehrte Luftansammlung ein hypersonorer Klopfschall zu hören. Die Auskultation ( Abhören des Körpers mit dem Stethoskop ) ergibt ein abgeschwächtes Bläschenatmen, da das Atemgeräusch durch die vermehrte Luftansammlung im Lungengewebe gedämpft wird. Auch Rasseln, Brummen oder Pfeifen ist wahrnehmbar. Menschen mit einem Lungenemphysem atmen häufig mit gespitztem Mund aus ("Lippenbremse"). Die Herztöne sind leiser zu hören. Das EKG ist bei fortgeschrittenem Lungenemphysem mit Herzbeteiligung verändert.

Therapie eines Lungenemphysems

Erste Therapie Ansätze des Arztes beinhalten den Rat eines sofortigen Rauch stopp. Dem Patienten wird empfohlen eine geeignete Therapie in Anspruch zu nehmen, um die Situation der Lunge nicht noch mehr zu verschlechtern. Da er ärztlich überwacht werden muss, richten sich die weiteren Maßnahmen den zugrunde liegenden Tatsachen. Vermeidung von Erkältungen, für feuchte Raumluft sorgen und evtl. Atemtherapie. Bei letzterer übt der Emphysematiker eine Verbesserung der Zwerchfellatmung und das Atmen gegen Widerstand. Er spitzt die Lippen und verkleinert bei der Ausatmung die Mundöffnung, um so den Druck innerhalb der Lungen zu erhöhen, damit der Bronchialkollaps verhindert wird. Haben sich Emphysemblasen gebildet, sollten diese operativ entfernt werden. Als nichtmedikamentöse Therapie ist es zusätzlich wichtig den Körper wieder zu trainieren. Da der Patient sich durch die Atemnot immer weniger selbst fordert, baut er dadurch Muskeln und Kondition ab. Durch mangelnde Bewegung prägt sich oft eine Osteoporose ( Verminderung der Knochendichte )aus. Neben einer kalziumreichen Ernährung und der Gabe von Vitamin D und Kalzium ist eine regelmäßige körperliche Bewegung günstig als Osteoporose-Vorsorge. Oft ziehen sich die Patienten zurück, da sie im weiteren Verlauf konditionell Abbauen. Wichtig ist immer wieder die Aktivierung, damit nicht auch Depressionen auftreten. Bei der medikamentösen Behandlung eines leichten Emphysems wird der Arzt neben den vorbeugenden Maßnahmen ein kurzwirksames Mittel, das die Bronchien erweitert, verordnen, das bei Bedarf inhaliert wird. Den Bronchienerweiterer sollte der Patient immer bei sich tragen. Bei einer mittelschweren Erkrankung wird eine Dauertherapie mit einem Bronchienerweiterer eingeleitet. Hier wird mit zwei verschiedenen Wirkstoffgruppen verfahren, die inhaliert werden. Sie vermindern die Verengung und die Überblähung der Lungen und können zu einer Verbesserung der Lungenfunktion beitragen. Bei höheren Schweregraden greift der Arzt zu Cortison, ebenfalls in Form von Inhalationsspray oder zur verstärkung und Langzeitwirkung in Form von Tabeletten. Bei Patienten, die eine Therapie mit inhalativem Cortison erhalten, konnte festgestellt werden, dass Verschlechterungsschübe weniger oft auftreten. 

Der Krankheitsverlauf ist vom Schweregrad der Erkrankung abhängig. Gerade im Anfangsstadium kann es durch eine konsequente Therapie zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden kommen. Im fortgeschrittenen Stadium muss man mit respiratorischer Insuffizienz und Ausbildung eines Cor pulmonale ( Veränderung am Herzen die durch eine chronische Lungenerkrankung verursacht wird ) mit Rechtsherzinsuffizienz rechnet.

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