Lungenhochdruck: Ursache, Symptome, Diagnose und Therapie bei Lungenhochdruck

Lungenhochdruck

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Lungenhochdruck

Wenn in der Medizin von Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie) gesprochen wird, handelt es sich um eine ernst zu nehmende Erkrankung des Lungengefäßsystems.

Dass über eine sogenannte primäre pulmonale Hypertonie in der Bevölkerung wenig bekannt ist, liegt insbesondere daran, dass es sich beim Lungenhochdruck um eine äußerst seltene Krankheit handelt. Denn auf circa eine Million Menschen kommen höchsten ein bis zwei Betroffene Patienten. Hierbei wird in der Medizin von einer idiopathischen Erkrankung der Lungengefäße gesprochen, aus dem einzigen Grund, weil dieses Krankheitsbild keinerlei erkennbare Ursachen aufweisen kann. Bei der sogenannten sekundären pulmonalen Hypertonie ist die Anzahl der Erkrankungen deutlich höher, wobei hierbei der Lungenhochdruck im engen Zusammenhang mit weiteren Erkrankungen stehen kann, allerdings können auch Medikamente eine derartige Lungengefäßerkrankung hervorrufen.

Der eigentliche Blutkreislauf der Lunge eines Menschen wird in der Medizin auch als kleiner Blutkreislauf bezeichnet, wobei das mit Kohlendioxid angereicherte und sauerstoffarme Blut von der rechten Herzkammer in die Arterien der Lunge gelangt. Durch die Verzweigung in den Lungengefäßen, welche bis zu den eigentlichen Lungenbläschen reichen und verantwortlich für die Sauerstoffanreicherung des Blutes sind, kann das mit Sauerstoff angereicherte Blut zurück zur linken Herzkammer fließen. Bei einem gesunden Menschen ist der vorhandene Druck in den Lungenbläschen weitaus geringer, als dies im großen Blutkreislauf der Fall ist. Patienten, welche an Lungenhochdruck zu leiden haben, weisen einen erheblich höheren Gefäßwiderstand auf, wodurch es zu zunehmenden Druck im Lungenkreislauf kommt. Sollte diese Erkrankung nicht rechtzeitig erkannt und behandelt werden, kann es eine Rechtsherz-Insuffizienz zur Folge haben, wodurch diese zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung werden kann. Die sich daraus ergebenden Folgen von Lungenhochdruck machen sich insbesondere durch verminderte körperliche Leistungsfähigkeit, gravierende Kreislaufstörungen und zunehmender Müdigkeitserscheinungen bemerkbar. Aufgrund dieser unspezifischen Symptome wird es dem behandelnden Arzt zunehmend erschwert eine Diagnose von Lungenhochdruck zu stellen.

Ursachen von Lungenhochdruck

Der normale Druck in den Lungengefäßen beträgt bei einem gesunden Menschen in einem Bereich von 15 mmHg, wogegen Patienten, welche unter Lungenhochdruck leiden sich dieser Druck auf bis zu 25 mmHg ohne körperliche Anstrengungen und mit körperlicher Anstrengung sogar auf bis zu 30 mmHg erhöhen kann. Lungenhochdruck macht sich insbesondere dadurch bemerkbar, dass eine stetige Erhöhung des Drucks sowie zunehmende Gefäßverengung stattfindet. Bereits in den 1980er Jahren wurde durch Mediziner herausgefunden, dass die Ursachen von Lungenhochdruck familiärer Häufigkeit entsprechen, was in der Realität bedeutet, Menschen in deren Familien häufige Erkrankungen an Lungenhochdruck anzutreffen sind zum besonders gefährdeten Personenkreis gehören. Hierbei wurde der begründete Verdacht nahegelegt, dass genetische Faktoren eine große Rolle bei der eigentlichen Entstehung von Lungenhochdruck spielen könnten. In den letzten Jahren ist es der medizinischen Forschung tatsächlich gelungen Veränderungen eines Gens mit der Bezeichnung BMPR2 sowie der Erkrankung durch Lungenhochdruck in Einklang zu bringen. 

Genau dieses Gen wurde bei etwa der Hälfte aller an genetisch bedingtem Lungenhochdruck erkrankten Patienten festgestellt. Dabei codiert dieses besagte Gen für ein Protein, welches als sogenannter Rezeptor fungiert, welches Signale von Wachstumsfaktoren unmittelbar an die Zellen weitergibt, wodurch auf diese Art und Weise die gesamte Funktion der Zellen gesteuert wird. Sollte dieser Mechanismus aus welchem Grund auch immer in irgendeiner Form gestört, werden, vermehren und vergrößern sich die Zellen der Lungengefäße unaufhaltsam. Ebenfalls wurde Lungenhochdruck überwiegend bei Frauen festgestellt, denn diese Leiden weitaus häufiger unter dieser Krankheit, als es bei Männern der Fall ist. Deshalb liegt der Verdacht nahe, dass es bei der Entstehung einen geschlechtsspezifischen Zusammenhang geben könnte. Auch Risikofaktoren wie zum Beispiel die Einnahme von Medikamenten (Appetitzügler) sowie Drogen (Kokain, Marihuana usw.) tragen erheblich zur Entstehung von Lungenhochdruck bei. Das gleiche trifft auch auf Autoimmunerkrankungen wie HIV zu, welche ebenfalls Auslöser von Lungenhochdruck darstellen könnten.

Symptome bei Lungenhochdruck

Es gibt vielerlei Symptome, welche deutliches Anzeichen für Lungenhochdruck sein können, welche das sind, wird Interessenten in einer nun folgenden Auflistung etwas ausführlicher erläutert:

Auftretende Symptome zu Beginn dieser Erkrankung:

  • Ständige auftretende Luftnot
  • Erhöhte Zunahme von Müdigkeitserscheinungen
  • Kleinste körperliche Anstrengungen führen zur totalen Erschöpfung
  • Das Gefühl einer Brustverengung bei körperlichen Belastungen nimmt zu.
  • Herzrasen und schlimmstenfalls sogar Herzrhythmusstörungen treten vermehrt auf.
  • Ebenfalls nimmt bei körperlichen Belastungen das Schwindelgefühl erheblich zu.

Auftretende Symptome bei fortgeschrittenem Krankheitsverlauf:

  • Die Belastbarkeit des Körpers nimmt enorm ab.
  • Nicht selten führen körperliche Anstrengungen zu Ohnmachtanfällen.
  • Herzklopfen sowie Herzrasen treten vermehrt auf.
  • Ähnlich wie bei einem Herzinfarkt nehmen die Schmerzen in der Brust zu.
  • Lippen verfärben sich zunehmend blau.
  • Reizhusten mit Blutbeimengung kann vermehrt auftreten.
  • Der Blutdruck singt auf ein Minimum.
  • Auch Wasseransammlungen in den Beinen können Anzeichen dafür sein, dass die rechte Herzhälfte erheblich in Mittleidenschaft gezogen wurde.

Diagnose von Lungenhochdruck

Besteht vonseiten des behandelnden Arztes nach einer ausführlichen Anamnese sowie körperlichen Untersuchung der Verdacht, dass es sich bei dieser Erkrankung um Lungenhochdruck handeln könnte, stehen dem Mediziner heutzutage moderne Verfahren einer Diagnose zur Verfügung. Erst anhand einer ausführlichen Zuordnung des Krankheitsbildes, wodurch sich die Schwere des Lungenhochdrucks mittel eines sogenannten Klassifikationsschemas feststellen lässt kann der behandelnde Arzt über geeignete therapeutische Maßnahmen entscheiden. Bei der eigentlichen Diagnose von Lungenhochdruck spielt das EKG eine wichtige Rolle, denn hierdurch erlangt ein Arzt Erkenntnisse darüber, ob die rechte Herzkammer eventuell vergrößert ist. Mit einer anschließenden Röntgenaufnahme des gesamten Brustkorbes können vorhandene Vergrößerungen der Lungengefäße sowie Herzkammern genauestens untersucht werden. Als weitere Alternative steht dem behandelnden Arzt die sogenannte Doppler-Echokardiografie als Untersuchungsmöglichkeit zur Verfügung, welche sich vor allem zur Feststellung von Lungenhochdruck eignet und um gleichzeitig andere Herzerkrankungen ausschließen zu können. Diese Methode wird zudem ambulant angewendet, wodurch sich anhand einer Ultraschalluntersuchung eventuell vorhandene Funktionseinschränkung am Herzen einschätzen und beurteilen lässt. 

Wurde durch den behandelnden Arzt im Zuge einer umfangreichen Untersuchung eindeutig Lungenhochdruck diagnostiziert, können mittels einer Rechtsherz-Einschwemmungskatheteruntersuchung genaue Ergebnisse des entsprechenden Druckwertes sowie den vorhandenen Blutfluss erzielt werden. Zusätzlich zu dieser Untersuchungsmethode können Untersuchungen des Bluts vorgenommen werden, ebenso umfangreiche Tests zur Funktion der Lunge sowie eine Computertomografie. Der eigentliche Schweregrad des Lungenhochdrucks wird nach der New York Association (NYHA) vorgenommen, welche in vier Klassen eingeteilt ist.

Die Klassifikation nach der New York Association:

  • 1. Schweregrad Klasse 1: Hat keinerlei Auswirkungen auf die körperliche Aktivität des Betroffenen und auch die für diese Krankheit typischen Symptome wie Kurzatmigkeit oder eventuelle Schmerzen im Brustbereich tritt nicht in Erscheinung.
  • 2. Schweregrad Klasse 2: Hierbei sind leichte Einschränkungen bei jeglicher Art von körperlicher Aktivität die Folge sowie Symptome treten bei normaler Aktivität im Alltag auf.
  • 3. Schweregrad Klasse 3: Erhebliche Einschränkungen bei allen körperlichen Aktivitäten sowie Symptome treten bereits bei leichten Aktivitäten vermehrt auf.
  • 4. Schweregrad Klasse 4: Keinerlei körperliche Aktivitäten sind mehr möglich sowie Symptome treten bereits im Ruhezustand häufig auf, es droht ein Rechtsherzversagen.

Therapie bei Lungenhochdruck

Bei der Behandlung von Lungenhochdruck werden heutzutage sehr unterschiedliche Therapiemaßnahmen angewendet, welche in diesem Abschnitt etwas ausführlicher vorgestellt werden. Bei der Therapie mit gefäßerweiternden Substanzen wie Prostazyklin und Stickstoffmonoxid wird diese entweder als direkte Infusion mittels Venenkatheter oder auch als analoger Wirkstoff, welcher durch Inhalieren zugeführt wird, durchgeführt. Als Unterstützung dieser Therapiemaßnahme kann gleichzeitig ein sogenannter PDE5-Hemmer zur Anwendung kommen. In der begleitenden Therapie von Lungenhochdruck werden zudem Blut verdünnende Medikamente verabreicht, was dazu führt, dass hierdurch Thrombosen entgegengewirkt werden kann. Digitalis-Präparate dienen hierbei der Unterstützung des Herzens. Weiterhin kann vom behandelnden Arzt eine nichtmedikamentöse Therapieform angewendet werden, welche in erster Linie als Langzeit-Sauerstoff-Inhalation zur Anwendung kommt. Wenn jedoch alle Therapiemaßnahmen keinen Erfolg erzielen, bleibt letztendlich nur noch ein chirurgischer Eingriff in der Form einer Lungen- oder Herz-Lungen-Transplantation übrig.

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