Magen-Zwölffingerdarmgeschwür: Ursache, Symptome, Diagnose und Therapie bei Magen-Zwölffingerdarmgeschwür

Magen-Zwölffingerdarmgeschwür

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Magen-Zwölffingerdarmgeschwür

Magen- bzw. Zwölffingerdarmgeschwüre sind Geschwüre, die in der Magenschleimhaut, am Magenausgang und im Zwölffingerdarm in verschiedenen Formen auftreten.

Magengeschwüre sind Geschwüre, die in der Magenschleimhaut, am Magenausgang und im Zwölffingerdarm in verschiedenen Formen auftreten. Ist nur die oberste Schicht der Schleimhaut betroffen, spricht man von Erosion, ist jedoch die gesamte Schleimhaut geschädigt, von einem Ulcus. Tiefer gehende Geschwüre können zu Blutungen führen.  Kleinere flache Substanzverluste mit gerötetem Grund, sogenannte hämorrhagische Erosionen verheilen meist ohne Narbenbildung. Selten auftretende Verschwärungen der geschlossenen Drüsenfollikel der Magenschleimhaut klingen ab und lassen eine unbedeutende Narbe zurück, ohne den Betroffenen auf längere Zeit zu beeinträchtigen. 

Eine schwere Form des Magengeschwürs ist dagegen das chronische runde oder durchbohrende Magengeschwür (Ulcus ventriculi), welches auf einer umschriebenen Selbstverdauung der Magenwand beruht - daher auch Ulcus pepticum (gr. pépsis = Verdauung).

Ursachen des Magen-Zwölffingerdarmgeschwürs

Es wird auf unterschiedliche Arten erklärt, warum der stark eiweißlösende Magensaft die Magenwand gewöhnlich nicht angreift. Ursächlich für die Entstehung eines Magengeschwürs ist grundsätzlich ein Unwirksam-werden der bestehenden Schutzvorrichtungen für die lebende Schleimhaut an umschriebenen Stellen durch schädigende Einflüsse. Man nimmt an, dass die Entwicklung eines Ulcus ventriculi oder eines Ulcus duodeni multifaktoriell ist. Auch gibt es unterschiedliche Erklärungsansätze für die Entstehung.

Rudolf Virchow (13. Okt. 1821 - 5. Sept. 1902), Mediziner und Anthropolog, ist der Ansicht, dass verstopfte arterielle Gefäße für die Entstehung eines Magengeschwürs ursächlich sind, in deren Folge der Teil der Magenwand brandig abstirbt, der das kapillare Stromareal der verstopften Arterie bildet. Die brandig gewordene Stelle kann der Einwirkung des Magensafts keinen Widerstand mehr leisten, so dass der Magensaft diese durch Selbstverdauung erweichen kann und zum Zerfall bringt. 

Einer anderen sehr verbreiteten Theorie zufolge ist für den Befall der Magenschleimhaut das Bakterium helicobacter pylori verantwortlich, welches sich bevorzugt im sauren Milieu des Magens vermehrt und eine auch chronische Magenschleimhautentzündung (Gastritis) verursachen kann. Die Gastritis gilt als häufigste Ursache für ein Magengeschwür. Drei Viertel der von einem Magengeschwür Betroffenen weisen eine Besiedlung durch dieses Bakterium auf, beim Zwölffingerdarmgeschwür sind es sogar 99 %. Bei der gesunden Bevölkerung wurde zu rund 50 % ebenfalls ein Befall mit helicobacter pylori festgestellt.

Weitere Entstehungsfaktoren sind gestörte Magenbewegungen, eine erhöhte Magensäureproduktion, Durchblutungsstörungen der Darmwand, ein zu niedriger pH-Wert (Hyperazidität) und die Dauereinnahme von die Prostaglandinsynthese-hemmenden Medikamenten, z.B. Acetylsalicylsäure, oder anderen Substanzen, welche die Schleimhaut-Bildung im Magen verringern. Das Risiko für ein Geschwür erhöht sich beispielsweise um das Vierfache bei einer Dauermedikation mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSRA) wie Aspirin oder Diclofenac.

Vor allem für das chronische Magengeschwür werden Ernährungsfehler, der Verzehr zu kalter und zu heißer Speisen, das Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum als begünstigende Faktoren für die Entstehung angeführt. Das Rauchen fördert durch Vagusaktivierung ebenfalls die Säuresekretion und begünstigt damit die Entstehung von Geschwüren. Der ungarische Psychoanalytiker und Arzt Franz Alexander zählt das Magengeschwür zu seinem Katalog der sogenananten „Holy Seven“, das heißt zu den psychosomatischen Erkrankungen. In der Psychosomatik wird die Ursache bzw. der Einfluss psychischer Faktoren auf körperliche Erkrankungen untersucht und wie umgekehrt körperliche Befunde psychische Erkrankungen verursachen.

Symptome des Magen-Zwölffingerdarmgeschwürs

Magen- und Duodenalgeschwüre verursachen brennende, bohrende, stechende, mitunter auch krampfartige Schmerzen im Oberbauch (Epigastrum). Als Allgemeinbeschwerden können auch Übelkeit, Brechreiz, Druck- und Völlegefühl oder Stuhlunregelmäßigkeiten auftreten. Beim Magengeschwür zeigen sich dabei häufig Dauerschmerz oder verstärkter Schmerz nach Nahrungsaufnahme, während sich bei Zwölffingerdarmgeschwüren ein sog. Nüchternschmerz bemerkbar macht, der sich durch Nahrungsaufnahme oft bessert. Da die Symptomatik unspezifisch ist, müssen andere Krankheitsprozesse im Bauchraum ausgeschlossen werden. In manchen Fällen bleiben vorhandene Geschwüre allerdings auch vollkommen symptomlos, insbesondere bei Einnahme von NSAR, welche die Schmerzempfindung reduzieren, und werden zum Teil erst bei Untersuchungen anlässlich anderer Fragestellungen entdeckt.

Bei rund einem Drittel der Patienten treten erst durch Komplikationen des Ulcus Symptome auf. Mögliche Komplikationen sind Blut im Stuhl, Teerstühle oder Bluterbrechen sowie ein Durchbruch des Geschwürs (Perforation) mit darauffolgender Entzündung des Bauchfells (Peritonitis).

Diagnose von Magen-Zwölffingerdarmgeschwür

Erste Hinweise auf ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür sind charakteristische Symptome in der Krankengeschichte des Patienten. Zur Absicherung der Diagnose wird eine Magenspiegelung (Gastroskopie) mit Entnahme einer Gewebeprobe aus der Magenschleimhaut (Biopsie) durchgeführt. Der genauere, medizinische Begriff für die Magenspiegelung ist Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (ÖGD), da hierbei auch die Speiseröhre und der Zwölffingerdarm untersucht werden, sodass auch dortige Ulci diagnostiziert werden können. Die Gewebeprobe wird entnommen, damit zwischen einem gutartigen Ulcus und einem möglichen Magenkarzinom unterschieden werden kann. Unter dem Mikroskop lassen sich außerdem Helicobacter pylori durch einen Schnelltest nachweisen. 

Eine Gewebeprobeentnahme ist bei Zwölffingerdarmgeschwüren nicht erforderlich, hier ersetzt ein Atemtest die Gewebeentnahme. Im Rahmen der Magenspiegelung können zudem vorhandene Blutungen gestillt werden.

Helicobacter kann auch über einen Atemtest, einen Antikörpertest oder Antigentest im Stuhl nachgewiesen werden in Fällen, in denen eine Magenspiegelung abgelehnt wird. Hierbei ist der Atemtest ausreichend sicher, wohingegen der Antikörpertest zur Therapieentscheidung nicht empfohlen wird. Ein Ausschluss einer Krebserkrankung ist über den Atemtest allerdings nicht möglich.

Zusätzlich werden zur Diagnose eines Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwürs eine Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs(Oberbauchsonografie), ein Röntgenbild des Brustkorbs und eine Blutuntersuchung durchgeführt. Diese Untersuchungen dienen auch dazu, etwaige andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen. 

Eine weitere Magenspiegelung mit Gewebeentnahme wird etwa vier bis sechs Wochen nach der Erstdiagnose zur Kontrolle des Therapieerfolgs und zum sicheren Ausschluss einer Krebserkrankung empfohlen.

Bei einem Geschwür ohne Helicobacterbesiedelung und ohne NSAR-Einnahme sollte Gastrin bestimmt werden, um ein Zollinger-Ellison-Syndrom auszuschließen. Gastrin ist ein Peptidhormon des Magen-Darm-Traktes; es übt – neben anderen Wirkungen den stärksten Reiz für die Produktion von Magensäure aus. Der Ausschluss eines Hyperparathyreoidismus durch die Bestimmung von Calcium und Parathormon, einem weiteren Peptidhormon, wird ebenfalls empfohlen.

Therapie eines Magen-Zwöffingerdarmgeschwürs

Als Therapie bei Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori wird eine Kombination verschiedener Antibiotika und ein säurereduzierendes Medikament eingesetzt. Diese sogenannte Eradikationstherapie ist bei mehr als 90 Prozent der Patienten mit einem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür erfolgreich. Erschwerend für die wirksame Behandlung des Magengeschwürs ist in einigen Fällen die Resistenz der Erreger gegen eines der Antibiotika. Klinisch erprobt wird aktuell eine Bestrahlung der Magenschleimhaut mit blauem Licht, welche das Bakterium Helicobacter pylori abtöten. Sollte diese Bestrahlung sich als erfolgreich erweisen, wäre es eine gute Behandlungsalternative bei resistenten Erregern.

Ohne Nachweis einer Helicobakter-Infektion kommen nur säurereduzierende Medikamente zum Einsatz, die die schädigende Wirkung der Magensäure aufheben können, sodass das Magengeschwür im Normalfall von selbst ausheilt. Zur Verfügung stehende Medikamente sind Protonenpumpenhemmer und H2-Antihistaminika. Protonenpumpenhemmer blockieren die Bildung eines Enzyms, welches für das Einströmen der Magensäure in das Mageninnere zuständig ist. Dieses Enzym wird vor allem morgens gebildet, daher werden Protonenpumpenhemmer am Morgen eingenommen. 

H2-Antihistaminika besetzen die Angriffsstellen des Botenstoffs Histamin, der für die Bildung und Freisetzung der Magensäure verantwortlich ist. Die Bildung der Magensäure findet hauptsächlich nachts statt, weshalb die Einnahme zur Nacht besonders wichtig ist. In manchen Fällen ist eine zusätzliche Dosis am Tag erforderlich. 

Magenblutungen infolge eines Magengeschwürs lassen sich in vielen Fällen auch während einer Magenspiegelung stillen. Eine Möglichkeit hierzu ist die Einspritzung eines Eiweiß-Klebstoffs durch eine spezielle in das Endoskop eingeführte Sonde. Handelt es sich jedoch um eine sehr starke Blutung, kann eine Operation notwendig werden. Bei einem Magendurchbruch (Perforation) ist eine Operation zum Verschluss der Öffnung unumgänglich.

Wichtig für die Therapie eines Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwürs ist, dass die schädigenden Faktoren ausgeschaltet werden. Nachdem das Magengeschwür abgeheilt ist, ist in der Regel keine weitere Therapie erforderlich, auch eine erneute Infektion tritt selten auf. Stress, Rauchen und Alkohol sowie bestimmte Medikamente wie Schmerzmittel, insbesondere sogenannte nichtsteroidale Antiphlogistika und NSAR, sollten in jedem Fall gemieden werden, um einem Wiederauftreten (Rezidiv) des Magengeschwürs vorzubeugen. Zudem sollte auf eine gesunde Ernährung mit einem hohen Rohkostanteil geachtet werden. Bei einem Rückfall ist eine Wiederaufnahme der medikamentösen Therapie notwendig.

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