Morbus Bechterew: Ursache, Symptome, Diagnose und Therapie bei Morbus Bechterew

Morbus Bechterew

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Morbus Bechterew

Bei Morbus Bechterew handelt es sich um eine rheumatisch-entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule. Es kann im Verlauf der Erkrankung zur Versteifung der Wirbelsäule kommen.

Vor über einhundert Jahren hat sich der russische Neurologe Wladimir Bechterew mit diesem Krankheitsbild auseinander gesetzt, durch diesen die Erkrankung auch ihren Namen erhalten hat. Das Wort "Morbus" stammt aus dem lateinischen und steht für das deutsche Wort Krankheit. 

Die heutige korrekte Bezeichnung lautet ankylosierende Spondylitis oder Spondylitis ankylosans. Es handelt sich um eine Sonderform der entzündlichen Rheumaerkrankung. Typischer Weise werden die Wirbel im Darm-Kreuzbein-Bereich von dieser Erkrankung erfasst, aber auch andere Gelenke des Achsenskeletts oder Sehnen können davon betroffen sein. 

In manchen Fällen kann sich als Folgeerscheinung der Entzündung Knochengewebe zwischen den Wirbeln oder Gelenken bilden, welches dann zu einer Versteifung führt. Namens gebend war dieser Prozess für die Erkrankung.

Da Verknöcherungsprozesse aber nicht in allen Fällen auftreten, beschreibt Morbus Bechterew die schwere Verlaufsform der entzündlichen Erkrankung. Nicht ganz korrekt wird die Diagnose dennoch auch für mildere Verlaufsformen ohne Verknöcherung gestellt.

Vergesellschaftet mit Morbus Bechterew kann es auch zu entzündlichen Augenerkrankungen kommen. Lichtempfindlichkeit oder schmerzende, rote Augen können Anzeichen sein. In ausgesprochen seltenen Fällen können auch andere Organe wie die Lunge, das Herz, die Nieren oder die Hauptschlagader (Aorta) davon betroffen sein. Ist das Herz von der Erkrankung mit betroffen, kann es zu Herzklappenfehlern wie beispielsweise einer Aortenklappeninsuffizienz kommen.

Ursachen von Morbus Bechterew

Über die genauen Ursachen von Morbus Bechterew ist nichts bekannt. Es konnte jedoch festgestellt werden, das die Erkrankung familiär gehäuft auftritt. Dadurch liegt die Annahme vor, das die Neigung zu diesem Krankheitsbild bereits in den Genen bzw. den Erbanlagen zu liegen scheint. Damit es aber zum Ausbruch des Krankheitsbildes Morbus Bechterew kommt, sind weitere Faktoren notwendig. Eine direkte Vererbung von den Eltern auf ihre Kinder ist also nicht möglich.

Die Vermutung liegt nahe, das es sich bei Morbus Bechterew um eine Fehlregulierung im Immunsystem des betroffenen Menschen handelt. Im Normalfall schützen die Abwehrmechanismen den Körper vor Erkrankungen oder gar Fremdstoffen. Funktioniert dieser Abwehrmechanismus allerdings nicht richtig, kann er auch Schaden anrichten. Entzündungen greifen dann gesundes Körpergewebe an, wie es bei Morbus Bechterew der Fall ist.

Es wird vermutet das bei Morbus Bechterew Infektionen mit bestimmten Bakterienarten wie Chlamydien oder Klebsiellen zu der überschießenden Reaktion des Abwehrsystems beitragen. Gleichzeitig muss eine bestimmte Anfälligkeit(Prädisposition) für die Bechterewsche Krankheit vorliegen, welche vererbbar ist. Diese Prädisposition wird durch das HLA-B27-Antigen auf der Zelloberfläche gegeben, welches durch Laboruntersuchungen nachgewiesen werden kann.

Symptome bei Morbus Bechterew

Bis zur Diagnose kann es oft lange dauern, weil die ersten Anzeichen auch für andere Krankheitsbilder in Betracht gezogen werden können. Meist treten die ersten Anzeichen für Morbus Bechterew ab dem 40. Lebensjahr auf. Bei längeren Ruhephasen verschlimmern sich die Symptome, zu denen beispielsweise Rückenschmerzen gehören. Gerade nachts können die Schmerzen an Intensität zunehmen, so dass die erkrankte Person aus dem Schlaf erwacht. Desweiteren zeigen sich morgens nach dem Aufstehen Beschwerden die ca. 30 Min. anhalten können. In dieser Zeit fühlen sich die Gelenke steif und fast unbeweglich an. Diese Symptome werden allmählich besser wenn es zu Bewegungen kommt. Diese Morgensteifigkeit ist ein Unterscheidungsmerkmal zu der Arhtrose, bei welcher es sich genau anders herum verhält.

Der Beginn von Morbus Bechterew liegt häufig im Bereich der Kreuzbein-Darmbein-Gelenke.Bei längerem Sitzen klagen die betroffenen Personen dann immer wieder über Schmerzen im Gesäßbereich, welche die Seiten wechseln können. Dieser Schmerz strahlt teilweise in den hinteren Oberschenkelbereich aus. Genau so kann es zu Schmerzen im Brustbein oder in anderen Gelenken wie Knie, Sprunggelenk oder Hüfte kommen. In diesen Fällen liegen die Schmerzen dann einseitig vor und wechseln nicht. Durch manchmal auftretende Schwellungen in den Gelenken sind diese dann eingeschränkt in ihrer Beweglichkeit. Auch Schmerzen im Bereich der Ferse sind in einigen Fällen aufgetreten. Wenn längeres Stehen auf hartem Untergrund zu Beschwerden führt, kann dies bereits ein erstes Anzeichen für Morbus Bechterew sein. 

Da bei Morbus Bechterew die Wirbelsäule von unten nach oben fortlaufend versteift, kann es ohne Behandlung zu einem ausgeprägten Rundrücken kommen. Häufig wird auch die Knochendichte durch die Erkrankung verringert, was zu Osteoporose führen kann. Durch feine Risse die dann beispielsweise in den Wirbelkörpern gebildet werden können, kann es auch leicht zu Knochenbrüchen kommen. Im schlimmsten Fall nimmt bei Verletzungen auch das Rückenmark Schaden.

Bei ungefähr der Hälfte der Erkrankten kommt es zu einer Entzündung der mittleren Augenhaut. Das Auge ist dann gerötet, lichtempfindlich und schmerzt. Um weitere Schäden am Auge zu vermeiden, sollte auf jeden Fall ein Augenarzt aufgesucht werden.

Diagnose von Morbus Bechterew

Erste Ansprechpartner können der Hausarzt, der Orthopäde oder aber auch der Augenarzt sein. Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich und richtet sich nach den gezeigten Symptomen. Bei Verdacht auf Morbus Bechterew wird dann meist ein Rheumatologe hinzugezogen, welcher spezialisiert ist auf rheumatische Erkrankungen. Um eine Diagnose zu sichern stellt der behandelnde Arzt Fragen zu Errankungen innerhalb der Familie. Diese können Hinweise auf eine Vorbelastung geben.

Bei der körperlichen Untersuchung wird die Beweglichkeit der Wirbelsäule überprüft. Desweiteren wird der Rücken vermessen. Beim nach vorne beugen des Oberkörpers kann der Abstand zwischen Fingerspitzen und Boden berechnet werden. Der Brustumfang wird durch Ein-und Ausatmung überprüft. Weiterhin wird die Beweglichkeit der Halswirbelsäule dokumentarisch fest gehalten. Entzündungen im Kreuzbein-Darmbein-Bereich können durch spezielle Handgriffe überprüft werden. Auch Druckschmerz kann im Kreuz-Darmbein-Gelenk auf eine Entzündung schließen lassen. 

Durch die Magnetresonanztomografie können Entzündungen bereits in einem frühen Stadium nachgewiesen werden. Im späteren Verlauf können Röntgenaufnahmen Aufschluss geben über beispielsweise bereits vorhandene Verknöcherungen. Durch das Röntgenbild lässt sich Knochengewebe zwischen den Wirbeln feststellen und sichtbar machen. Bei einem schweren Verlauf erinnert die Wirbelsäule in der Form dann einem Bambusstab.

Durch die Blutentnahme kann ein spezielles Eiweiß (HLA-B27) auf den Körperzellen nachgewiesen werden. Sein häufiges Auftreten bei Morbus Bechterew macht es zu einem wichtigen Diagnosekriterium. Da es aber auch bei viele Gesunden vorkommt, ist es nur ein weiterer Baustein in der Diagnose. Die Blutsenkungsgeschwindigkeit und der Wert des C-reaktiven Proteins können Aufschlüsse über Entzündungen im Körper geben.

Therapie bei Morbus Bechterew

Bei Morbus Bechterew handelt es sich um eine nicht heilbare Erkrankung. Therapiemaßnahmen können jedoch den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Die Beweglichkeit der Wirbelsäule, so wie das vermeiden eines Rundrückens sind Ziel aller Therapien. Die Bewegung ist dabei das wichtigste Instrument der Therapie. Während der Krankengymnastik werden beispielsweise Übungen erlernt um bestimmte Muskelpartien zu kräftigen. Eine aufrechte Rückenhaltung im normalen Alltag wird gezielt erlernt und gefördert. Kommt es trotz allem zu einer Verknöcherung der Wirbelsäule, ist es Ziel die dauerhafte Verkrümmung der Wirbelsäule zu vermeiden. Eine Streckung der Hüfte sorgt dafür, das sie nicht in gebeugter Haltung versteift.

Durch die Gabe von Medikamenten aus dem Bereich der nichtsteroidale Antirheumatika können die Schmerzen gelindert und die Entzündung eingedämmt werden. Mögliche Nebenwirkungen müssen dabei beachtet werden. Die kurzzeitige Gabe von Cortisol/Cortison kann in akuten Schüben der Entzündung für Besserung sorgen. 

Operative Eingriffe kommen dagegen selten zum Einsatz. Bei einigen Komplikationen von Morbus Bechterew kann eine Operation sinnvoll sein, zum Beispiel bei Lähmungen oder Wirbelbrüchen. Ist die Wirbelsäule sehr stark verkrümmt, ist ein aufrechter Gang oder ein Blick nach vorne nicht mehr möglich. Eine sogenannte Aufrichtungsoperation kann in solchen Fällen hilfreich und angebracht sein.

Operiert werden können sowohl einzelne Wirbel, wie auch mehrere. Bei der Aufrichtungsoperation können entweder Knochen stückweise entnommen oder ein System aus Schrauben und Stab eingesetzt werden. Die Operation richtet sich nach dem jeweiligen Stadium.

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