Morbus Menière: Ursache, Symptome, Diagnose und Therapie bei Morbus Menière

Morbus Menière

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Morbus Menière

Die Innenohrerkrankung auch genannt Morbus Manière, tritt sehr oft bei Menschen zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf, was jedoch nicht bedeutet, dass es auch jüngere Menschen treffen kann.

Die Inzidenzrate (Häufigkeitsrate) dieser Erkrankung im Ohr wird auf 1:1000 geschätzt. Von jedem 5. Patienten existiert eine positive Familienanamnese, was so viel heißt, das ein Verwandter ersten Grades auch an der Morbus Manière erkrankt ist, sodass genetische Komponenten, nicht ausgeschlossen werden können. Begünstigt wird diese Innenohrerkrankung durch vorherige Virusinfekte, Allergien, Rauchen, Alkoholmissbrauch, Übermüdung, Stress sowie die Einnahme von Aspirin.

Ursachen von Morbus Manière

Die Frage wie es zu einer Morbus Manière kommen kann ist meistens nicht zu beantworten. In einigen Familien tritt diese Innenohrerkrankung häufiger auf, weshalb die Vermutung nahe liegt, dass es sich bei der Morbus Manière um erbliche Veranlagungen handelt. Scheinbar werden bestimmte organische Besonderheiten vom Gleichgewichts- und Hörorgan weiter vererbt. Die Innenohrerkrankung tritt in seltenen Fällen nach Verletzungen des Innenohrs auf. Ursachen für diese Erkrankung können auch Umweltfaktoren wie hohe Lärmbelastung, Durchblutungsstörungen oder Virusinfektionen sein. Es wird vermutet das sich zu viel Flüssigkeit im Ohr befindet, welche den Kanal mit der Innenohrflüssigkeit übermäßig ausdehnt. Dies kann man sich ähnlich wie bei einem Schlauch vorstellen, der prall voll mit Wasser aufgefüllt wird. Durch diese Ausdehnung werden die empfindlichen Hör-Sinneszellen wahrscheinlich gereizt, welche sich in der unmittelbaren Nähe befinden. Einer Theorie zufolge dehnt sich der Endolymph-Schlauch so stark aus und reißt dann an einer bestimmten Stelle ein. Endolymphe (Lymphflüssigkeit 1) und Perilymphe (Lymphflüssigkeit 2) werden auf einmal miteinander vermischt, sodass der Salzgehalt der beiden Flüssigkeiten durcheinandergerät, wodurch die Funktionen der Gleichgewichts- und Hörorgane gestört werden. Die Vermischung der beiden Lymphflüssigkeiten kann dann zu den Morbus Manière typischen Symptomen wie Schwindelanfall, Tinnitus und Hörverlust führen. Es wird ebenfalls vermutet, dass bei einer Vermischung der kaliumreichen und natriumreichen Lymphflüssigkeiten die Haarzellen (Hörsinneszellen) beschädigt werden.

Symptome von Morbus Manière

Es fängt auf einmal an sich alles zu drehen, sowie ein rauschen und brummen, treten in einem Ohr auf. Dies könnte der Anfang einer Morbus Manière sein. Betroffene beschreiben diese Krankheit folgendermaßen.

Schwindel und Übelkeit

Plötzlich wird es dem Betroffenen extrem schwindlig, aus heiterem Himmel scheint es so, als ob sich alles rundherum dreht, als wenn man in einem Karussell sitzen würde. Den meisten wird es schlecht und müssen sich auch übergeben. Der Schwindel kann so extrem sein, dass Betroffene hinfallen, da sie sich nicht mehr auf den Beinen halten können. Ärzte reden bei solch einem Sturz über eine Drop Attack (Sturzattacke). Schwindelanfälle dieser Art kommen in nicht vorhersehbaren Abständen immer wieder und halten öfter über Stunden an. Zwischen solchen Attacken liegen wenige Tage, manchmal auch viele Monate.

Ohrgeräusche: „Brummen und Rauschen im Ohr“

Ohrgeräusche mit wechselnder Stärke begleiten die im Vorfeld geschilderten hierfür typischen Schwindelattacken. Vor allem wenn die Krankheit länger andauert, kann der Tinnitus (Ohrensausen) länger anhalten. Es kann auch passieren, dass es zwischen den Attacken etwas leiser wird und bei der nächsten Schwindelattacke wieder deutlich lauter. Dies Ohrgeräusche können von anderen Menschen natürlich nicht wahrgenommen werden, nur der Betroffene selbst, hört diese. Der Tinnitus kann unterschiedliche Ursachen haben und völlig verschiedene Höreindrücke hervorrufen wie Knattern, Zischen, Pfeifen und Summen. Bei der Innenohrerkrankung hören Betroffene meist tiefere Töne wie zum Beispiel ein dumpfes Brummen oder auch Rauschen. In den meisten Fällen ist nur ein Ohr davon betroffen, auf welchem bei den Betroffenen dann auch eine typische Hörstörung bemerkt wird.

Hörstörung bis hin zum Hörverlust

Es gibt Betroffene, die auf einmal schlechter hören und die Sprache klingt verzerrter, man hat das Gefühl das ein Ohr den Dienst versagt.  Diese einseitige Schwerhörigkeit bemerken betroffene Patienten erstmals während eines Schwindelanfalls. Bei Fortschreiten der Krankheit dauern der Tinnitus und die Hörminderung an. Die Intensität ist hier oft wechselnd. Während eines bestehenden Anfalls kann sich die Schwerhörigkeit verschlimmern bis hin zu einem vorbeigehenden Hörverlust führen. Den Abstand von zwei Tönen zueinander hören die betroffenen nach einiger Zeit wieder etwas besser. Manchmal kommt es auch zum Gegenteil, sodass die betroffenen auf einmal besser hören, wenn es zu einer Schwindelattacke kommt. Mediziner sprechen bei dieser Konstellation von einem Lermoyez- Syndrom (seltenes Krankheitsbild vom Innenohr mit einem anfallartigen Charakter). Geklärt ist jedoch nicht, ob es sich dabei um eine eigenständige Krankheit oder die Morbus Manière handelt.

Verlauf der Krankheit – Leben mit immer wiederkehrenden Schwindelattacken

Patienten mit plötzlich auftretenden Manière- Attacken sind meist stark verunsichert, da Betroffene theoretisch bei jeder Gelegenheit mit Schwinde, Übelkeit und wahrscheinlich auch noch Erbrechen rechnen müssen. Man weiß nie, wann eine neue Schwindelattacke kommt, da der Verlauf dieser Krankheit nicht vorhersehbar ist. Symptome kommen ohne Vorwarnung, einige Patienten spüren im günstigsten Fall nur, wenn eine Attacke kurz bevorsteht, weil Druck und Rauschen im Ohr mit einmal lauter werden. Für Betroffene ist diese Situation sehr belastend. Schon die Angst vor einem nächsten Anfall beeinträchtigt deutlich die Lebensqualität. Auch ist ungewiss, wie oft die Menière-Attacken auftreten, da die Häufigkeit von ein paar Anfällen im Jahr, bis zu hin täglichen Beschwerden reichen kann. Jedoch ist Letzteres die Ausnahme. Tröstend hierbei ist, dass Schwindelbeschwerden, die sehr belastend sein können bei vielen Betroffenen tendenziell eher abnehmen. Es gibt aber auch Patienten, bei denen sich die Schwerhörigkeit verschlimmert. Einige hören dann kaum noch, mitunter auch gar nicht mehr auf dem betreffenden Ohr.

Diagnose von Morbus Manière

Betroffene, die plötzlichen Schwinde, Ohrensausen oder auch an Schwerhörigkeit leiden, sollten schleunigst den Hausarzt aufsuchen. Die Diagnose Morbus Manière muss nicht immer eintreten, da auch viele andere Ursachen eine Rolle spielen können. Besteht jedoch der Verdacht einer Manière Erkrankung, stellt der Hausarzt üblicherweise eine Überweisung zum Spezialisten, also dem Hals-Nasen-Ohren Arzt aus. Im Arztgespräch erkundigt sich der behandelnde Arzt nach den Beschwerden, der Krankheitsgeschichte und Erkrankungen, die in der Familie aufgetreten sind. Sind in der Verwandtschaft schon Fälle von Morbus Manière bekannt, so ist dies ein zusätzlicher Hinweis, dass es sich um die Erkrankung des Innenohres handeln könnte. Damit Ursachen wie Verletzungen oder Infektionen ausgeschlossen werden können, werden die Ohren des Betroffenen mit einem Untersuchungsmikroskop und einem Ohrenspiegel gründlich untersucht.

Therapie und Behandlung von Morbus Manière

Bei akuten Anfällen helfen Medikamente wie Antivertiginosa, gegen Schwindel sowie Antiemetika gegen Übelkeit und Erbrechen. Sind bestehende Beschwerden stark oder ausgeprägt, wird die Medikation eventuell auch per Infusion über die Vene verabreicht. Wenn stark erbrochen werden der Flüssigkeits- und Elektrolyteverlust mit Infusionen ausgeglichen.

Vorbeugung durch gesunde Lebensführung

Um Manière Attacken vorzubeugen ist es wichtig und empfehlenswert einen gesunden Lebensstil zu haben. Ratsam ist salzarme Kost und man sollte unbedingt auf Alkohol, zu viel Koffein und Nikotin verzichten, auf jedem Fall ist es ratsam, darauf zu verzichten. Denn die Anfallshäufigkeit wird dadurch verringert. Auch gute Erfahrungen wurden mit Gleichgewichtstraining, regelmäßiger Bewegung und Entspannung gemacht. Natürlich ist es nicht eindeutig wissenschaftlich bewiesen, ob diese Maßnahmen im Einzelfall unterstützend wirken, dennoch sollte es ausprobiert werden. Bei Häufigen und stak belastenden Anfällen kann auch eine Intervallbehandlung mit Medikamenten in Betracht gezogen werden. Der vorhandene Wirkstoff Betahistin soll die Anzahl der Schwindelattacken reduzieren. Der sichere Therapieeffekt ist aber auch hier noch nicht nachgewiesen. 

Das Gleichgewichtsorgan wird teilweise von Abschnitten des Innenohrs ausgeschaltet, wenn andere Maßnahmen versagt haben. Die geschieht durch Medikamente, ein Antibiotikum (Gentamycin) oder auch einem Lokalanästhetikum. Man kann in äußersten Fällen den Schwindel auch mit einer Operation abstellen, hier wird vom Arzt der Gleichgewichtsnerv getrennt.

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