Morbus Sudeck (CPRS I): Ursache, Symptome, Diagnose und Therapie bei Morbus Sudeck

Morbus Sudeck / CPRS I

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Morbus Sudeck / CPRS I

Bei Morbus Sudeck (CPRS I) handelt es sich um eine Nervenkrankheit, die äußerst schmerzhaft sein kann. Sie wird als "komplexes regionales Schmerzsyndrom" des Typs I (englisch: Complex Regional Pain Syndrome oder CRPS I) definiert.

Was ist Morbus Sudeck (CRPS I)?

Morbus Sudeck (CRPS I) kann ein oder mehrere Gliedmaßen betreffen und wird meistens nach Einwirkungen von außen wie beispielsweise Operationen oder Brüchen beziehungsweise Verletzungen beobachtet. Befindet sich Morbus Sudeck im Endstadium, können die Gelenke versteifen und mittels geschrumpfter Haut, Muskeln und Sehnen den Funktionsverlust der jeweiligen Körperteile herbeiführen.

Morbus Sudeck erhielt seine Bezeichnung nach dem Chirurgen Paul Sudeck (1866- 1945), welcher etwa 1900 die Erkrankung erstmals schriftlich festhielt. Er nannte CRPS I eine "entgleiste Heilentzündung". Morbus Sudeck wird auch als:

  • Schulter-Hand-Syndrom oder Algodystrophie
  • Sudeck-Dystrophie und Sudeck-Krankheit 
  • sowie als "Sympathische Reflexdystrophie" bezeichnet.

Morbus Sudeck betrifft überwiegend Personen zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr, wobei allerdings auch Kinder sowie ältere Personen ein CRPS I entwickeln können. Frauen sind dabei häufiger als Männer betroffen. Des Weiteren tritt Morbus Sudeck öfter bei Rauchern als bei Nichtrauchern auf. Die Sudeck-Krankheit entwickelt sich besonders oft am Unterarm und Fuß sowie an der Hand und dem Unterschenkel.

In der Anfangsphase des Schulter-Hand-Syndroms (CRPS I) zeigen sich zudem:

  • Schwellungen (Ödeme) und eine gerötete Haut
  • ein überwärmtes Gelenk und eingeschränkte Gelenkfunktionen.

Obwohl derartige Symptome ebenso auf eine klassische Entzündung hinweisen können, sind die Werte im Blut bei CRPS I nicht erhöht. Weitere Anzeichen für ein Morbus Sudeck können beispielsweise Gefühlsstörungen und Zittern, starke Empfindlichkeit bei Berührungen sowie Lähmungserscheinungen sein.

Die Therapie für eine Sudeck-Dystrophie umfasst eine Ergotherapie und physikalische Behandlung sowie Medikamente. Das Ziel der Therapie ist, eine Verbesserung der Beweglichkeit betroffener Gelenke herbeizuführen. Bestehen jedoch noch Schwellungen und Ruheschmerzen, ist es empfehlenswert diese zum Beispiel mittels Schmerzmittel, Entstauung der Ödeme und Hochlagern des jeweiligen Gelenks vorrangig zu versorgen. Werden die geeigneten Maßnahmen bei Morbus Sudeck frühzeitig und angemessen (das Syndrom nicht verstärkend) eingesetzt, kann der Verlauf der Erkrankung günstig ausfallen. Dadurch kann der CRPS I in ungefähr 85 Prozent der Fälle geheilt werden.

Ursachen von Morbus Sudeck

Die Ursache von Morbus Sudeck ist bisher noch nicht vollständig geklärt. CRPS I tritt meistens selbst nach oftmals geringfügigen Verletzungen oder einem chirurgischen Eingriff auf. Weitere mögliche Auslöser können zum Beispiel folgende sein:

  • Quetschungen und Verstauchungen
  • Verrenkungen oder Knochenbrüche
  • Nervenerkrankungen, eine Schilddrüsenüberfunktion oder sogar ein Herzinfarkt 
  • und in circa fünf Prozent aller Fälle Medikamente.

Wie stark die Ausprägung der CRPS I ist, hängt nicht zwingend von der jeweiligen äußeren Einwirkung ab. Bei Morbus Sudeck I werden im Gegensatz zu CRPS II keine deutlich erkennbaren Nervenverletzungen festgestellt. In etlichen Fällen wurden die betroffenen Gliedmaßen vor der Diagnose CRPS I während einer längeren Zeit absolut ruhig gestellt. Die Ursache der Morbus Sudeck liegt vermutlich bei der gestörten Schmerzweiterleitung innerhalb des zentralen Nervensystems (Rückenmark und Gehirn), wodurch der Sympathikus (Teil des vegetativen Nervensystems) eine überschießende Reaktion zeigt.

Bei Morbus Sudeck spielen womöglich auch psychische Faktoren eine gewisse Rolle. So werden bei Personen mit CRPS I sehr häufig Ängste, emotionale Labilität (Gefühlsschwankungen) und Depressionen beobachtet. Außerdem weisen Betroffene oftmals belastende Ereignisse in ihrem Leben auf. Bei Erwachsenen können dies zum Beispiel Krankheiten oder Todesfälle sowie berufliche oder finanzielle Schwierigkeiten sein. Bei Jugendlichen oder Kindern sind mögliche Auslöser des CRPS I zum Beispiel instabile Familienverhältnisse, Trennungen sowie alltägliche Probleme (Schule) sein.

Symptome bei Morbus Sudeck

Erste Symptome bei Morbus Sudeck sind wenig kennzeichnend. Meistens erfolgt ein "komplexes regionales Schmerzsyndrom" des Typs I nach einer Ruhigstellung, Operation oder allgemeinen Verletzung. Bei CRPS I wird immer ein Gelenk in Mitleidenschaft gezogen, meistens am Fuß oder der Hand. An Schulter, Hüfte oder Knie tritt die Sudeck-Krankheit jedoch seltener auf. Innerhalb der akuten Phase zeigt sich Morbus Sudeck mit den klassischen Symptomen einer Entzündung, allerdings ohne erhöhte Blutwerte. CRPS I ist anfangs geprägt durch immens starke Schmerzen in den betroffenen Gliedmaßen. Dazu zeigen sich:

  • Hautrötungen sowie eine Überwärmung des Gelenks
  • Ödeme (Schwellungen), die einer Entzündung ähneln
  • sowie einer Einschränkung der Gelenkfunktion.

Der auftretende Schmerz ist bei CRPS I jedoch das ausdrucksstärkste Symptom. Dieser ist anhaltend, brennend und tief. Der Schmerz kann sich zudem durch Bewegung und Belastung wie auch geringfügige Berührungen verstärken. Manche typischen Symptome des Morbus Sudeck verändern sich im Krankheitsverlauf. Ist die Haut zu Anfang überwärmt und gerötet, kann sie im späteren chronischen Stadium blau oder weißlich-blass verfärbt sein und sich kälter anfühlen.

Neben starken Schmerzen und klassischen Entzündungsmerkmalen kann CRPS I zu Beginn sowie auch später etliche weitere Symptome aufweisen:

  • ein verändertes Haar- und Nagelwachstum 
  • vermehrtes Schwitzen und Koordinationsstörungen
  • Krämpfe sowie Zittern
  • Berührungsempfindlichkeit, Sensibilitätsstörungen und Lähmungserscheinungen
  • sowie Bewegungseinschränkungen und Athropie (Gewebeschwund) von Muskeln und Haut.

Im Endstadium führen die Gewebeschwund-Symptome zum Verlust der Funktion des jeweiligen Körperteils.

Diagnose von Morbus Sudeck

Die eindeutige Diagnose von Morbus Sudeck ist nicht einfach. Sie basiert hauptsächlich auf der Anamnese (Krankengeschichte) und einer körperlichen Untersuchung. Erste Hinweise ergeben sich durch eindeutige Entzündungsanzeichen am betroffenen Gelenk:

  • enorme Schmerzen
  • Ödeme (Schwellungen), Rötung der Haut sowie eine Überwärmung und Funktionseinschränkung des Gelenks, ohne jegliche Entzündungswerte innerhalb des Blutes. 

Ging den Beschwerden ein chirurgischer Eingriff, eine Ruhigstellung oder Verletzung voraus, erhärtet sich der Verdacht auf CRPS I.

Für eine klare Diagnose der Morbus Sudeck Erkrankung können mehrere Tests erfolgreich sein:

  • die Thermographie: Hierbei wird die Wärmeabgabe der Körperoberfläche gemessen, wobei eine abnorme Veränderung festgestellt werden kann
  • bildgebende Verfahren: Computertomographie (CT), Röntgen und eine Magnetresonanztomographie (MRT) können Osteoporose (Knochenentkalkung) entlarven, jedoch auch weitere Ursachen der Schmerzen ausschließen
  • die Drei-Phasen-Szintigraphie: Mithilfe dieser nuklearmedizinischen Untersuchung kann eine erhöhte Durchblutung festgestellt werden, sodass sie eine äußerst wichtige Maßnahme bildet, um eine frühzeitige Diagnose von CRPS I zu stellen.

Therapie bei Morbus Sudeck

Die Therapie bei Morbus Sudeck ist auf die jeweiligen Symptome ausgerichtet. Gegen CRPS I hat sich eine individuelle Kombination von psychotherapeutischen und physikalischen Maßnahmen, Medikamenten und Ergotherapie bewährt. Hierbei ist das Ziel, die Beweglichkeit des betroffenen Gelenks wesentlich zu verbessern. Hierzu ist es empfehlenswert, die Therapie von CRPS I in mehrere Phasen einzuteilen, welche sich jeweils auf ein bestimmtes Ziel konzentrieren: 

  • Die Behandlung der Ödeme und Ruheschmerzen: Hierbei sind die wichtigsten Maßnahmen Schmerzmittel sowie die Entlastung der Extremität (das Gelenk erhöht lagern und die Schwellung entstauen). Von einer Wärmebehandlung, welche die Schmerzen noch verstärken würde, ist innerhalb dieser Phase unbedingt abzuraten.
  • Die Bewegungsschmerzen behandeln: Während dieser Phase soll die Gelenk- und Nervenfunktion schrittweise gezielt aktiviert werden. Die Schmerzbehandlung wird hierbei langsam und stetig abgebaut.
  • Die Gefühls- und Bewegungsstörungen behandeln: Die primäre Maßnahme ist innerhalb dieser Therapiephase eine Wiederherstellung der Gelenkfunktion. Des Weiteren kann eine Psychotherapie begleitend eingeleitet werden. Auf Schmerzmittel wird ab diesem Zeitraum meistens weitgehend verzichtet.

Bei CRPS I kann nicht auf entsprechende Medikamente verzichtet werden. Dennoch gelten nicht-medikamentöse Behandlungsmethoden als äußerst wichtiger Bestandteil der gesamten Therapie. Sie ermöglichen es, die Beweglichkeit der jeweiligen Gelenke aufrechtzuerhalten oder wesentlich zu verbessern. Für eine Therapie des CRPS I ohne Medikamente sind folgende Maßnahmen prädestiniert:

  • Lymphdrainagen und Wassergymnastik
  • eine Ruhigstellung der jeweiligen Gliedmaße
  • Quengelschienen und Krankengymnastik
  • sowie Elektro- und Ergotherapie.

Besteht eine milde Form von Morbus Sudeck, kann die Erkrankung innerhalb einiger Wochen ausheilen, ohne das Endstadium erreicht zu haben. In diversen Fällen bleibt der Schmerz über Jahre, oftmals lebenslang bestehen. Bei manchen betroffenen Personen verläuft CRPS I schwankend. Es treten bessere Phasen (Remission) auf, die manchmal Wochen oder sogar Jahre anhalten können und Verschlechterungen (Exazerbation).

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