Tetanus, Wundstarrkrampf - Ursachen, Symptome und Verlauf

Tetanus

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Tetanus

Den meisten Menschen ist die Infektionskrankheit Tetanus oder auch Wundstarrkrampf ein Begriff, gerade im Hinblick auf die regelmäßig stattfindende Tetanusimpfung. Doch was ist Tetanus eigentlich und wieso ist der Wundstarrkrampf bei ausbleibendem Schutz so gefährlich?

Was ist Tetanus?

Tetanus ist in die Kategorie der Infektionskrankheiten einzuordnen in der Untergruppierung Wundinfektion. Das Bakterium Clostridium tetani gilt dabei als Auslöser der Krankheit, welche nicht selten tödlich verläuft. Durch den Erreger werden im Körper die Nerven angegriffen, welche für die Muskelsteuerung verantwortlich sind, weswegen Tetanus auch als Wundstarrkrampf bezeichnet wird.

Wie steckt man sich mit Tetanus an?

Sporen des Erregers dringen bei der Infektion in offene Wunden ein. Durch den fehlenden Sauerstoff in den Zellbereichen kann sich das Bakterium ideal vermehren und sondert dabei das sogenannte Tetanustoxin ab. Zum einen das nervenschädigende Tetanospasim, welche die Nerven der Muskeln verkrampfen lässt und somit die symptomatische Starre hervorruft. Zum anderen das Toxin Tetanolysin, welches direkt das Herz angreifen kann und den Herzschlag aussetzen lassen kann. Eine Ansteckugn mit Tetanus kann ausschließlich durch äußere Einflüsse erfolgen, wobei eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ausgeschlossen ist.

Ursachen für Tetanus

Der Erreger beziehungsweise die resistenten Sporen des Clostridium tetani kommen im Prinzip überall im Alltag vor. So besteht jederzeit eine Infektionsgefahr, sei es bei der Gartenarbeit, bei der Arbeit oder aber auch im häuslichen Umfeld. Durch die fehlende Möglichkeit der Eingrenzung ist es nahezu ausgeschlossen, dass man einer Infektion vorbeugen kann, gesonderte Schutzmaßnahmen können ebenso nicht gezielt eingesetzt werden.

Hohes Risiko bei der Arbeit mit Tieren

Gerade bei der Arbeit und dem Umgang mit Tieren ist in Bezug auf Tetanus eine hohe Sorgfalt angebracht, für Personen die entsprechende Tätigkeiten ausüben ist daher die Impfung gegen Tetanus mehr als zu empfehlen.

Pferde besonders betroffen

Vor allem beim Umgang mit Pferden ist die Gefahr relativ hoch, dass eine Infektion mit Tetanus vorkommt. Pferde und generell Einhufer gelten als sehr empfänglich für den Erreger, weswegen bereits kurz nach der Geburt der Tiere eine erste Schutzimpfung durchgeführt werden muss. Nach sechs bis zwölf Wochen sowie nach einem Jahr erfolgt eine weitere Immunisierung, zudem sollte der Schutz alle zwei Jahre erneuert werden.

Wundstarrkrampf auch bei anderen landwirtschaftlich genutzten Tieren verbreitet

Neben den Einhufern gelten hauptsächlich Schweine und Wiederkäuer als empfänglich für den Erreger, wohingegen Hunde und Katzen eher seltener von dem Bakterium infiziert werden. Daher gilt die weitverbreitete Meinung, dass die beiden letztgenannten für eine Verbreitung von Tetanus außerhalb landwirtschaftlicher Betriebe ausschlaggebende sind als Irrglaube. Vögel wiederrum sind nahezu komplett resistent gegen den Erreger.

Typische Symptome und Anzeichen bei Tetanus

Die normale Inkubationszeit der Bakterien beträgt drei Tage bis zu drei Wochen, in Ausnahmefällen kann der Ausbruch der Infektionskrankheit jedoch auch mehrere Monate nach der eigentlichen Infektion und dem Eindringen in den Blutkreislauf erfolgen. Eine Sonderform stellt jedoch die zephale Tetanus dar, da sich die infizierte Wunde hierbei am Kopf befindet und aufgrund der kürzeren Nervenbahnen eine deutlich kürzere Inkubationszeit aufritt.

Als typische Symptome einer Infektion mit Tetanus gelten:

Schüttelfrost

Fieber

Kopfschmerzen

Allgemeine Schwäche

Schwindel

Schweißausbrüche

Gliederschmerzen

Krämpfe

Muskelschmerzen

Kieferschmerzen

Atemnot

Symptomatik nicht immer eindeutig

Aufgrund der vorgenannten Auflistung lässt sich erkennen, dass eine genaue Diagnostik von einer Erkrankung mit Tetanus nicht immer eindeutig möglich ist. Gerade in der Anfangszeit treten grippeähnliche Syptome wie Fieber, Kopfschmerzen, allgemeine Schwäche und Schüttelfrost auf. Ebenso können Glieder-, Muskel- oder Kieferschmerzen auch mit einer grippalen Erkrankung in Zusammenhang gebracht werden. Allerdings verschlechtert sich der Gesamtzustand nach der erfolgten Infektion relativ schnell und spätestens wenn Krämpfe im Gesichtsbereich auftreten ist ein Arzt aufzusuchen. Vor allem das sogenannte Teufelsgrinsen, bei welchem die mimische Muskulatur im Gesicht verkrampft, gilt als eindeutiges Anzeichen für einen Befall mit Tetanus.

Diagnose & Verlauf bei Tetanus

Sollte eine Behandlung ausbleiben, kommt es zur tonischen Muskelspannung, welche im Bereich des Nackens beginnt und sich über die gesamte lange Rückenmuskulatur erstreckt. Im schlimmsten Fall kann es durch diese Spannung und Überstreckung sogar zu Wirbelbrüchen kommen. Weitere Krämpfe meistens von einer Dauer von wenigen Minuten betreffen unter anderem die Gliedmaßen und den Kehlbereich und werden durch kleinste äußere Einflüsse ausgelöst. Bei ausbleibender Versorgung während eines Krampfanfalls kann der Tod durch Ersticken eintreten.

Qualvoller Krankheitsverlauf

Dadurch, dass Tetanus lediglich die muskelsteuernden Nerven angreift, werden Gefühle und das Bewusstsein des Patienten nicht beeinträchtigt. Die Folge ist bei einer nichtbehandelnden Tetanus Erkrankung eine qualvolle Krankheitsphase, die nicht selten mit dem Tod des Patienten endet.

Genaue Diagnose überlebenswichtig

Da die Anfangssymptome wie bereits beschrieben nicht unbedingt direkt auf Tetanus schließen lassen, wird eine genaue Diagnose meist erst dann gestellt, wenn die ersten Krampfleiden auftreten. Die Erstdiagnose erfolgt immer anhand des allgemeinen klinischen Befundes, ebenso kann durch einen Neutralisationsversuch der Toxinnachweis geführt werden. Die Anlage einer Erregerkultur ist in den meisten Fällen nicht ratsam, da die Erfolgsquote sehr gering ist.

Grundimmunisierung und Auffrischung als KO-Kriterium

Kann der Patient nachweisen, dass er über eine vollständige Grundimmunisierung und regelmäßige Auffrischungsimpfungen gegen Tetanus verfügt, kann Tetanus als Ursache für den Krankheitsverlauf mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.

Behandlung & Therapie von Tetanus

Eine direkte Behandlungsmethode gegen den Erreger wird nicht angeboten. Durch die Verbreitung des Tetanustoxin über die Nerven, gilt selbst die Gabe von fremden Antikörpern und einer passiven Immunisierung als nicht unbedingt erfolgsversprechend. Um den Erreger unschädlich zu machen, muss die auslösende Wunde komplett ausgeschnitten werden, im schlimmsten Fall kann eine Heilung nur durch Amputation des betroffenen Körperteils erfolgen.

Ist Tetanus heilbar?

Bei leichten Krankheitsverläufen können die auftretenden Krämpfe mittels optischer und akustischer Therapie abgemildert oder ganz unterbunden werden. In schweren Fällen wird neben der Förderung von Antikörpern der Patient maschinell Beatmet und die gezielte Gabe von Medikamenten zur Muskelrelaxation verhindert weitere Krampfanfälle. In schweren Fällen kann ein langer Krankheitsverlauf von Tetanus beobachtet werden, welcher sich oftmals über mehrere Monate zwischen Infektion und kompletter Genesung ziehen kann. Die meisten Patienten überstehen eine korrekt behandelte Infektion mit Tetanus ohne Folgeschäden, dennoch können diese immer wieder vereinzelt auftreten. Generell erfolgt die Behandlung mit einem starken Antibiotika.

Ab wann sollte man gegen Tetanus impfen?

Der einzig wirkliche Schutz gegen Tetanus besteht in einer korrekt durchgeführten Impfung. Um eine Grundimmunisierung zu erlangen, empfiehlt die Ständige Impfkommission in Deutschland eine Erstimpfung ab dem zweiten Lebensmonat um einer Erkrankung mit neonatale Tetanus vorzubeugen. Um der puerperale Tetanus vorzubeugen ist vor allem eine Grundimmunisierung der Mutter wichtig um keine Infektion der Gebärmutter zu ermöglichen. Ein vollständiger Schutz ist allerdings erst nach zwei weiteren Folgeimpfungen gegeben, diese werden im Regelfall im fünften und sechsten Lebensjahr durchgeführt. Der nun erreichte Impfschutz ist mindestens für einen Zeitraum von zehn Jahren gegeben, entsprechende Auffrischungsimpfungen sind empfohlen.

Impfempfehlung bei Vorerkrankungen mit Tetanus

Nach einer überstandenen Erkrankung kann der Körper nur einen geringen Anteil an Antikörpern herstellen, weswegen gerade für genesene Patienten eine Impfung gegen Tetanus sinnvoll ist.

Welche Nebenwirkungen hat die Tetanusimpfung?

Wie jede andere Impfung auch kann die Vorsorge vor einer Erkrankung mit der Tetanusimpfung Nebenwirkungen aufweisen. Zu den häufigsten Begleiterscheinungen gehören lokale Reaktionen im Bereich der Einstichstelle und allergische Reaktionen des Körpers Teile des Impfstoffes. In seltenen Fällen kann es zu schwereren Folgeschäden kommen, etwa in Form neurologischer Störungen oder dem Antiphospholipid-Syndrom im Verbund mit Lähmungserscheinungen.

Wieviele Fälle von Tetanus gibt es in Deutschland jährlich?

Aufgrund der seit dem Jahr 2001 nicht mehr bestehenden Meldepflicht für Tetanuserkrankungen können keine genauen Erkrankungsdaten ermittelt werden. Die letzte Statistik aus dem Jahr 2000 gab jedoch für das gesamte Bundesgebiet lediglich ach Fälle von Tetanus an.

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