Erysipel (Wundrose): Ursache, Symptome, Diagnose und Therapie

Wundrose / Erysipel

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Wundrose / Erysipel

Bei dem Erysipel (Streptodermia cutanea lymphatica), auch Wundrose genannt, handelt es sich um eine örtlich begrenzt und definierte akute Entzündung der Lymphgefäße der Haut.

Erysipel (Wundrose) - Inhaltsverzeichnis

  1. Ursachen von Wundrose (Erysipel)
  2. Symptome von Wundrose (Erysipel)
  3. Diagnose bei Wundrose (Eryspiel)
  4. Therapie bei Wundrose (Erysipel)

Erkennungsmerkmal ist hier eine stark gerötete, schmerzende Hautoberfläche. Die Schmerzen werden ausgelöst durch Wassereinlagerungen in der Haut, welche zu einem erhöhten Spannungsgefühl führen. Diese Art der Hautinfektion kann sämtliche Hautareale betreffen, allen voran die Beine. Jeder 1.000ste Erwachsenen in Deutschland erleidet einen Erysipelbefall mindestens einmal im Leben, wobei das Risiko einer Erkrankung im Winter steigt, was mit der Beanspruchung der Haut in diesem Zeitraum zusammenhängt.

Hauptrisikogruppe und somit besonderes Gefahrenpotential haben immungeschwächte Menschen. Ebenso  vorbelastet sind Patienten mit Venenerkrankungen, AIDS, Diabetes mellitus, chronischen Störungen des Lymphabflusses oder Alkoholkranke. Auch als Säugling oder in zunehmendem Alter ist die Krankheit aufgrund des schwächeren Immunsystems vermehrt anzutreffen.

Ursachen von Wundrose (Erysipel)

Das Erysipel ist häufig zurückzuführen auf eine Infektion durch betahämolytische Streptokokken der Serogruppe A. Diese sorgen für die vollständige Hämolyse (Auflösung) der Erythrozyten(roten Blutkörperchen). Seltener wird Befall durch Streptokokken der Serogruppen B – G oder durch Staphylokokken sowie  Enterobakterien als Erreger nachgewiesen. Da die Infektion durch Streptokokken übertragbar ist, ist auch das Erysipel ansteckend. Jedoch bedeutet eine Infektion nicht auch automatisch den Ausbruch der Krankheit.

Nährboden der Entzündung sind offene Hautstellen, wie z. B. Insektenstiche, Pilzinfektionen, akute oder chronische Hauterkrankungen, Ekzeme und ähnliche Verletzungen durch die der Erreger sich Zutritt verschafft. Auch mangelversorgte oder schlecht durchblutete Haut bietet den Erregern Angriffsfläche. 

Weitere Ursachen sind z. B. Die Lymphknotenentfernung, Bestrahlung oder Infektion Infolge tumoröser Erkrankungen.

Der Erreger dringt über Hauterosionen der oberen Hautschichten in  tiefere Hautschichten ein und breitet sich in die Lymphspalten aus, in dem es das umliegende Gewebe zerstört. Für diesen Gewebszerfall sind auflösende, bakterielle Enzyme verantwortlich, wie z. B. DNAse. Bakterielle Giftstoffe können so ungehindert in den Blutkreislauf eindringen.

Durch die Infektionskrankheit staut sich die Lymphbahn (durch Verkleben), sodass der Transport von für das Immunsystem wesentlichen Substanzen nur noch eingeschränkt und verlangsamt möglich ist. Die fortschreitende Entzündung fördert die Bildung von Ödemen (Wassereinlagerungen in der Gewebestruktur). Dieses wiederum begünstigt die Empfänglichkeit weiterer Infektionen. Ohne Behandlung zöge sich hier eine Endlosschleife fort.

Symptome von Wundrose (Erysipel)

Die Symptome der Streptodermia cutanea lymphatica sind vielfältig. Unter anderem abhängig von dem Schweregrad der Verlaufsform sind häufige Beschwerden Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen in den Gelenken, Kopfschmerzen, Herzrasen oder Übelkeit. Die dem Erysipel nahegelegenen Lymphknoten sind häufig geschwollen. 

Optischer Indikator sind die flächigen, geschwollenen und erwärmten Hautrötungen mit erhöhtem Schmerzempfinden. Bei oberflächlichen Infektionen sind die äußeren Ränder der gereizten Hautareale präzise zu erkennen. Sitzt die Entzündung tiefer, ist der Farbverlauf der erkennbaren Grenzen verschwommener. Die Hautpartien sind im Gegensatz zu ähnlichen Phlegmonen nicht eitrig.

Äußerst schwere Krankheitsbilder weisen zusätzlich Blasen (bullöses Erysipel)oder Nekrosen (abgestorbene Gewebepartien) auf, sowie petechiale Blutungen (punktierte Blutungen unter der Haut; hämorrhagisches Erysipel). Die stärkste Ausprägung des Erysipels ist das gangränisierende Erysipel. In diesem Krankheitsstadium faulen die entsprechenden Körperpartien regelrecht ab.

Haupt Angriffspunkt sind die Unterschenkel und das Gesicht (hier spricht man von einer Gesichtsrose). Es können aber dem Grunde nach alle Extremitäten und Hautpartien von der sogenannten Wundrose betroffen sein.

Diagnose bei Wundrose (Eryspiel)

Die Diagnose kann unter günstigen Umständen schon allein durch das äußere Erscheinungsbild gelingen. Nach einer Inkubationszeit von mehreren Stunden bis zu maximal drei Tagen, lassen sich die typischen Hauterscheinungsbilder erkennen und, wie die nachfolgende Kategorisierung darstellt, auch ertasten.

Drei Gruppierungen ermöglichen eine genauere Zuordnung:

Stadium I: Weiche Schwellung, die sich durch Hochlagerung des Körperteils bekämpfen lässt, Spontan irreversibles Stadium II: Verhärtete Schwellung, die medikamentös behandelt werden muss, und Stadium III: Nicht eindrückbares Gewebe mit Übergang zur Elefantiasis (durch Lymphstau hervorgerufene Vergrößerung von Körperteilen).

Weitere Differentialdiagnosen sind unbedingt von dem behandelndem Arzt zu erkennen, um im Anschluss die richtige Therapie einzuleiten und Verwechslungsgefahren zu vermeiden. :

Zum einen die „Erythema migrans“, die sogenannte Borreliose. Infolge eines Zeckenbisses übertragene Infektion des Gewebes. Optisch bilden sich ähnliche Rötungen wie bei einem Erysipel. 

Zum anderen „Erysipeloid“ oder auch Schweinerotlauf (Erysipelotrix rhusiopathiae). Eine Infektionskrankheit, die üblicherweise in der Tierwelt vorkommt. Kann in Einzelfällen auf den Menschen überspringen. Somit sind die die Hauptrisikogruppen Landwirte u. ä. Auch hier ist die rote Hautbildung auffällig. Statt der Schmerzen kommt es jedoch vermehrt zu Juckreiz.

Weiter ist es in Einzelfällen möglich durch Abstriche der Haut Aussagen zu treffen. Den größten Sicherheitsfaktor und somit am zuverlässigsten bei der Erkennung des Erysipels ist jedoch die Blutuntersuchung. Mittels der Blutentnahme können entzündungstypische Werte ermittelt werden, die jedoch nicht spezifisch sind, d. h. Auch bei anderen sich im Körper befindlichen Entzündungen steigen würden. Unter anderem ausschlaggebend sind der Leukozytenwert (weiße Blutkörperchen zur körpereigenen Abwehr), ein erhöhter Wert des C-reaktiven Proteins (kurz CRP; Einweißproduktion weist auf die Bekämpfung einer Entzündung durch das Immunsystem hin) sowie der Nachweis von Antikörpern gegen Streptokokken oder Staphylokokken im Blut. Auch an einem erhöhten BSG-Wert, welcher die beschleunigte Blutsenkung der roten Blutkörperchen in einem Test mit Natriumzitrat feststellt, lässt sich der Entzündungsprozess ableiten.

Bei der weiteren Diagnose ist es sinnig die Hautverletzung zu finden, durch die der Erreger in den Blutkreislauf gekommen ist.

Therapie bei Wundrose (Erysipel)

Erster Ansatzpunkt der Therapie ist die Behandlung mit Antibiotika. Die übliche Antibiotika-Therapie beruht auf dem Einsatz von Penicillin G. bei Unverträglichkeit wird zurückgegriffen auf alternative Makrolid-Antibiotika. Bei Vorhandensein verschiedener Infektionskrankheiten findet eine Behandlung unter Zuhilfenahme von Lucloacillin oder Cephalospoine statt.

Die Behandlung des Erysipels erfolgt oftmals  unter stationärer Aufnahme in ein Krankenhaus, da die Antibiotika in den ersten Tagen mittels intravenöser Infusion in den Kreislauf gelangen. Zeichnen sich nach den ersten Tagen erste Erfolge in der Therapie ab, kann auf die Einnahme von Tabletten umgestiegen werden. Insgesamt nimmt diese Form der Therapie einen Behandlungszeitraum von 14 Tagen in Anspruch. Innerhalb der ersten 3 - 5 Tage wird die Krankheit ihren Höhepunkt erreichen.

Die Antibiotikatherapie wird oft in Kombination mit anderen Methoden angewandt, die den Lymphstau beheben und so für eine Verbesserte Durchflutung der Ödemgebiete sorgt.

Weiter von wesentlichem Bestand ist die Still- und Höherlegung der betroffenen Körperteile. Ist das Gesicht die betroffene Stelle kann eine Stilllegung sehr unangenehm werden, da Kau- oder Sprechverbot einzuhalten sind. Sind die Extremitäten befallen, eigenen sich hier neben der Verordnung von Bettruhe Schienen. Gleichzeitig kann eine Kompressionsbehandlung sinnvoll sein. Durch die körperlichen Einschränkungen wird der Patient in Extremsituationen sogar unfähig sein, sich selbst zu pflegen und zu waschen. Hier müssen Hilfsmaßnahmen ergriffen werden.

Schmerztabletten und fiebersenkende Mittel verschaffen zusätzlich Linderung und bauen die typischen Symptome ab. Kühlung der gereizten Hautareale lindert nicht nur den Schmerz, sie beugt auch dem bereits zuvor erwähnten Lymphstau vor.

Ebenso bedeutsam ist in diesem Zusammenhang, dass die für die Infektion verantwortliche Hautverletzung gefunden und reinigend behandelt wird. Die Hygiene spielt auch im weiteren Verlauf eine bedeutende Rolle, zur Vermeidung der Neuinfektion der betroffenen Hautstellen sowie zur Eindämmung der Übertragungsgefahr. Selbst wenn die Entzündung abgeklungen ist, sollte die Haut vorbeugend gut gepflegt werden. So lassen sich kleine Risse vermeiden. Dennoch schadet eine regelmäßige Kontrolle des gesamten Körpers auf kleinen Hautverletzungen, die eine potentielle Infektion ermöglichen können, nicht. 

Wird das Erysipel frühzeitig erkannt und behandelt, stehen die Chancen einer schnellen und folgenlosen Wundheilung sehr gut. Bereits nach wenigen Tagen heilt das Hautbild sichtbar ab. Die betroffene Hautpartie schuppt ab. Bleibt das Wundgewebe hingegen unbehandelt, können sich schwerwiegende Komplikationen ergeben. Dies sind unter anderem die Sepsis, Venenentzündungen, Lymphödeme, Nieren- oder Herzentzündungen, sowie Phlegmone. Auch Kann die Entzündung auf Faszien übergreifen, sich in die Tiefe fortziehen und Muskeln und Sehnen angreifen.

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